Ein cleverer Student organisiert eine Skireise in den Kaukasus. Der Erlebnistrip ist schnell ausgebucht. Der junge Mann freut sich auf seinen Zugewinn zum Bafög-Etat. Doch die Freude währt nicht lange. Eine Reiseteilnehmerin fällt bei der ersten Skitour in einen Gletscher und ist seitdem querschnittsgelähmt. Als sie Schadensersatz fordert, stellt sich heraus, daß der umtriebige Student für sein Geschäft keine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat. Ein Prozeß muß nun klären, wer die Kosten des Unfalls zu tragen hat.

Diese Geschichte erzählt Peter Hamburger, Justitiar des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV), wenn er auf die sogenannte "Schwarztouristik" angesprochen wird. Sportvereine, Parteien, engagierte Lehrer, Hausfrauen, Rentner, aber auch Kirchen und Kommunen bieten seiner Meinung nach immer häufiger Pauschalarrangements an, "ohne die gültigen Spielregeln des deutschen Tourismus einzuhalten".

Der DRV warnt vor Gelegenheitsveranstaltern, die nicht mehr als zwei Reisen im Jahr auflegen. Sie brauchen laut Reisegesetz keinen Sicherungsschein zu beantragen, der die Kunden bei einem möglichen Konkurs des Veranstalters schützt. Auch Kirchen und Kommunen müssen als Körperschaften des öffentlichen Rechts die Kundengelder nicht absichern. "Was den Reisepreis", so Peter Hamburger, "erheblich drückt." Über diesen Wettbewerbsvorteil ist der DRV empört: "Die Aufgabe der Kirchen und Kommunen besteht nicht darin, mit Billigtrips Geld zu verdienen."

Ein "richtiges Problem" nennt der DRV-Justitiar die Offerten der Amateurveranstalter. Die schwärzesten Schafe versprechen den Reisenden etwa Abenteuerwanderungen im Himalaya, und dort weiß dann kein Mensch von der gebuchten Bergbesteigung. "Unsere Akten sind voll mit diesen Fällen", erklärt Peter Hamburger. Wie viele Kunden den offiziellen Reiseveranstaltern durch die unliebsame Konkurrenz verlorengehen, kann der DRV allerdings nicht beziffern.

Kirchen und Kommunen weisen die Kritik des Verbandes zurück. Ihre Angebote würden sich meist an bedürftige Kinder und einkommensschwache Erwachsene richten, die sich sonst keinen Urlaub leisten könnten. Die preiswerten Ferienprogramme sind auf jeden Fall beliebt: Manfred Witt vom Nord-elbischen Jugendpfarramt gibt an, daß in diesem Jahr rund 4200 Personen an Freizeiten der Hamburger evangelischen Kirchen teilnehmen, die in der Regel 14 Tage dauern. Die Reisen, so Manfred Witt, werden durch Eigenmittel der Kirchen, öffentliche Zuschüsse und Beiträge der Teilnehmer finanziert. Mehr als die Hälfte der Ziele lägen nach wie vor in Deutschland. Die Jugendlichen bevorzugten mittlerweile aber Kirchenfahrten ans Mittelmeer.

Tatsächlich sind die Freizeiten wesentlich billiger als jedes Reisebüroangebot. Ein zehntägiger Segeltörn in der dänischen Südsee inklusive Verpflegung kostet beispielsweise 775 Mark pro Person. Der Evangelische Jugendferiendienst bietet einen zweiwöchigen Strandurlaub auf Korfu für 690 Mark an.

Obwohl es sich um seriöse Angebote handelt, hält DRV-Vorstandsmitglied Magdalene Hieke von derlei kirchlichen Traumreisen wenig: "Es werden staatlich eingetriebene Kirchensteuern verwendet, um einen Wirtschaftszweig zu ruinieren." Die Kunden würden oft nicht wissen, worauf sie sich einlassen, etwa unangemessene Vorauszahlungen leisten und selten wagen, bei mangelhafter Leistung gegen den mehr oder weniger christlichen Veranstalter vorzugehen.