Damals war unsere Ehe bereits gescheitert, aber ich wollte es nicht wahrhaben und organisierte eine Therapie. Das Jugendamt kam, dann mußten wir Sozialhilfe beantragen. Ich war zum Asi geworden und wußte schon nicht mehr, wer ich bin. Weil das Muttersein mir in gewisser Hinsicht das Leben gerettet hat, bekam ich noch ein fünftes Kind. Mit blauem Auge bin ich auf dem Fahrrad zur Geburt ins Krankenhaus gefahren.

Dann kam der Tag, an dem auch der letzte Rest unserer Liebe hin war und ich abgehauen bin. Zuerst bin ich untergetaucht, dann zu meinen Eltern. Alle hatten Angst, daß ich zu ihm zurückkehren würde. Die Kinder lebten bei ihm. Ein halbes Jahr später bekam mein Mann das Sorgerecht - es war furchtbar. Ich bezog eine Wohnung und mußte am Jobclub teilnehmen, einer Zwangsmaßnahme für arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger. Aber trotz der vielen Bewerbungen, die ich damals schrieb, bekam ich keinen Job.

367 Tage nachdem ich meine Kinder verlassen hatte, übertrug das Oberlandesgericht dem Jugendamt das Sorgerecht. Ich konnte endlich wieder mit meinen Kindern zusammensein. Wir zogen zuerst in ein Frauenhaus, dann nach Norddeutschland. Die Zusammenarbeit mit "unseren Pädagogen" lief gut, es war für uns alle eine gute Landung.

Die Vergangenheit steht heute sehr real vor mir: Es gibt kein Entkommen, kein Davonlaufen. Wut und Scham trotzen einander, die Schuldfrage ist für mich zur Nebensache geworden. Verändern kann man nur sich selber! Das Leben hat mich wieder, autonom und glücklich. Ich bin mit dem Beruf "Mutter" zufrieden und stecke jetzt all meine Power in unser "Familienprojekt"!