Es klingt vielversprechend. "Profitieren Sie auch weiterhin ..." beginnt der Brief von der Postbank. Doch was da in so schöne Worte verpackt ist, kommt einer Todesanzeige gleich: Das Postsparbuch wird zu Grabe getragen, von 1999 an gilt es im Ausland nicht mehr. Zurückschicken sollen wir unser Postsparbuch, statt dessen gibt es die Postbank SparCard 3000 plus. Soll das etwa ein Ersatz sein?

Was hier so mir nichts, dir nichts gegen eine Plastikkarte eingetauscht wird, ist eine Institution, neben InterRail und Jugendherbergsausweis Synonym für grenzenlose Freiheit, für die ersten Schritte hinaus in die große weite Welt. Vor allem aber steht das Postsparbuch für ein wenig Nostalgie im sonst so kalten, unpersönlichen Geschäft mit dem Geld.

Das Postsparbuch ist voll von Erinnerungen. Stempel für Stempel eine Reiseetappe, zum Beispiel im Sommer 1997. Mit dem Fahrrad waren wir in den französischen Alpen unterwegs. Abends erreichten wir Montmaur, einen kleinen Ort unterhalb des Col du Festre. Ein Restaurant, ein Campingplatz, ein Krämerladen und eine Post - zum Glück. Für Abendessen und Campinggebühren kratzen wir unsere letzten Francs zusammen. Am nächsten Morgen war das Geld aus. Bankomat? Fehlanzeige. Die Rettung: das Postsparbuch. Geduldig saßen wir auf dem Dorfplatz, schauten zu, wie das Dorf erwachte, und warteten, bis der Postler auftauchte. Schließlich kramte er ein Formular hervor, ausgefüllt hatte er so etwas noch nicht. Und weil er sich verschrieb, stempelte er ganz groß Annulé in die Zeile, fing nochmals von vorn an, dann klappte es.

Das System des Postsparbuchs bestach durch seine Einfachheit. Der Kontostand wurde im Sparbuch verzeichnet, oft liebevoll per Hand. Dafür brauchte es keine Verbindung zum Zentralcomputer. Der neue Kontostand wurde nach Deutschland gemeldet und dort verbucht. Aber nicht nur InterRailer und Radler, denen in abgelegenen Ortschaften das Geld ausging, freuten sich an dem blauen Konto.

Bei Auslandsaufenthalten half es jedem, der auf Mark und Pfennig achten mußte. Nirgends war Geldumtausch so günstig wie beim Postsparbuch: keine Gebühr, keine Provision - und dazu noch ein sehr günstiger Wechselkurs. Das hatte sich auch bei Schülern und Studenten, die einige Monate im Ausland zur Schule gingen oder studierten, herumgesprochen. Vor der Reise zahlten die Eltern das Budget auf das Konto ein, am Studienort konnte dann die monatliche Rate abgehoben werden. Das war umkompliziert und übersichtlich. Der aktuelle Kontostand stand immer schwarz auf weiß im blauen Buch.

Aber damit ist es nun vorbei. Auch die Postbank setzt jetzt auf Automaten - und auf die Postbank SparCard 3000 plus. "Weltweite Unabhängigkeit, umfassende Transparenz und kostenlose Auszahlung" verspricht die Bank auch für die Zukunft. 400 000 Automaten weltweit, rund um die Uhr in Betrieb. Das klingt gut. Aber wie viele davon stehen in den französischen Alpen? Kostenlos ist das Abheben nur noch viermal im Jahr, danach kostet jede Transaktion zehn Mark.

Und von wegen Transparenz. Wer wissen will, für wie viele Tage das Urlaubsgeld noch reicht, der muß bei der Postbank in Deutschland anrufen. Ob das Verbesserungen sind? Und überhaupt: Plastikkarten haben wir mehr als genug.