Am 12. März 1998, um 9.32 Uhr, beginnen im westfälischen Lüdinghausen Ermittlungen in einem Todesfall. Sie werden ins Nichts führen, was gar nicht selten geschieht in dieser Republik. Zu klären ist die Frage: Wie starb Nithrsan Emmanuel?

Ihr verkohlter Babykörper wird an jenem Morgen aus einem verbrannten Kinderreisebett geborgen. 15 Monate alt ist sie geworden. Mit den Eltern und zwei Geschwistern lebte sie in einer Asylunterkunft. Ein Arzt bestätigt den Flammentod des Kindes. Die Geschwister werden mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus geflogen.

Der Fall Emmanuel wäre damit abgeschlossen gewesen, wären nicht ein paar Milliliter Blut der kleinen Nithrsan auf der Welt zurückgeblieben. Auf Drängen des mißtrauischen Brandsachverständigen war der Leiche noch am Todestag eine Blutprobe entnommen worden. Zwei Tage nach der Einäscherung trifft das Ergebnis der Blutuntersuchung bei der Staatsanwaltschaft Münster ein: Im Blut ist kein Kohlenmonoxid. Das Kind muß bereits vor Ausbruch des Feuers tot gewesen sein.

Die Staatsanwälte hielten eine Obduktion für überflüssig

Führt ein Arzt die Leichenschau bei einem Verbrannten durch, kann er wegen der Verletzungen durch Hitze und Rauch nur selten genau feststellen, ob der Mensch durch Feuer oder schon zuvor durch ein Gewaltverbrechen umgekommen ist. Eine Brandstiftung, die kaschieren soll, daß jemand ums Leben gebracht wurde, gehört zu den Klassikern der Kriminalistik. Damit Tötungen nicht unerkannt bleiben, werden die Leichen geöffnet.

Den Ermittlern im Fall Emmanuel war davon wohl nichts bekannt. Die Staatsanwaltschaft hielt eine Obduktion für überflüssig - obwohl sie in solchen Fällen üblich ist. Der Brandsachverständige hatte mehrfach darauf gedrängt. Auch hörten die Ermittler erst nach der Kremation davon, daß die Familie Emmanuel dem Jugendamt schon längere Zeit wegen "emotionaler Kälte" gegenüber den Kindern aufgefallen war.

Die Mutter des toten Kindes sagte bei der Polizei aus, ihre Tochter habe gelebt, als sie den Raum verlassen und die Tür verschlossen habe. Nachbarn hatten Zweifel. Sie wollen Frau Emmanuel darauf hingewiesen haben, daß es brenne im Zimmer ihrer Kinder und daß Türen und Fenster verriegelt seien. Als die Frau nicht reagierte, hätten sie selbst die Fenster geöffnet.