Weil im Internet jeden Tag neue letzte Wahrheiten und Revolutionen ausgerufen werden, verliert man rasch den Überblick und wünscht einen Ohrensessel herbei, in den man sich setzen kann, ein wenig Rückschau zu halten. Aaah, da ist er ja schon, mein Ohrensessel. Mama backt Kuchen, und die visits der Homepage gehen in den Keller wg. allg. Besinnlichkeit. So ist es recht.

Und da hab' ich's auch schon vor mir, das Jahr 1998. Was hat es gebracht? Was bleibt? Irgendwelche Erkenntnisse?

Was mich aber noch viel mehr für den ECommerce einnahm, war der Umstand, daß am 24. November 1998 um 11.10 Uhr auf dem Bangkok International Airport ein Taxifahrer auf uns wartete; das tat er, weil wir ein paar Tage zuvor per Internet ein Hotelzimmer in einem Hotel namens Silom City Inn bestellt hatten - und es gehört zum Service dieses Hotels, seine Gäste auf dem Flughafen abzuholen. Alles war, wie im Netz versprochen. Leider wartete der Taxifahrer vergeblich auf uns, denn, kaum angekommen, nahmen wir einen Mietwagen - weil ich an "die völlig neuen globalen Geschäftswege", die ich diversen Geschäftsführern bereits erfolgreich eingeredet hatte, nicht glauben wollte. Karma, würde der Thailänder sagen, wenn auch ein ziemlich problemloses.

Punkt zwei: Das Netz verbreitet auch weiterhin Visionen, denen wir alle eine kurze Zeit folgen, um sie dann rasch zu vergessen. Dieser Tage können Sie das am einfachsten nachvollziehen, indem Sie auf eine Party mit hoher Internet-Surfer-Dichte gehen und folgenden Satz in Ihre Online-Buchladen-Kaffeetasse murmeln: "Das Konzept der Portal Page ist gut. Verdammt gut!" Man wird vor Ihnen niederknien, wird Sie um Audienzen bitten, weil derzeit alle glauben, mit dieser Art Homepage sei der große Erfolg zu landen, und daher an den Lippen derer hängen, die sie in dieser Überzeugung bestärken.

Diese Homepages, an denen momentan von Microsoft bis Disney alle heftig basteln, heißen Portal Page, weil sie die Funktion von Portalen haben sollen, an denen Laien der rechte Weg ins unübersichtliche Internet gewiesen wird. Der Portal Page liegt die nicht ganz unberechtigte Überzeugung zugrunde, daß Inhaltsverzeichnisse gut sind, will man was finden.

Wer nun sagt, das sei trivial und das gebe es auch im Internet schon seit Jahren (Stichwort: Web-Kataloge, Suchmaschinen), hat das Wesen dieses neuen Mediums verstanden, wenn auch nicht begriffen. Das liegt nämlich - aber davon später mehr. Jetzt erst mal ein Nickerchen im Ohrensessel.