Den Namen der kalifornischen Firma kennt kaum jemand. Aber ihre Produkte haben viele auf dem Schreibtisch stehen: Solectron. Das Unternehmen baut im Auftrag großer und kleiner Elektronikkonzerne Personalcomputer, Modems und andere Hardware zusammen.

Solectron ist der Vorreiter eines Trends in den Vereinigten Staaten, der dort in den nächsten Jahrzehnten die gesamte Computerindustrie umkrempeln könnte: contract manufacturing und Subproduktion. Die Firma und ihre Konkurrenten SCI Systems, Jabil Circuit oder Celestica sind damit das Gegenstück zum genau entgegengesetzten Trend in der Zukunftsbranche: die Entwicklung hin zum virtuellen Unternehmen.

Die Geschäftsidee, aus der Not geboren, erwies sich schnell als brillanter Einfall. Heute beschäftigt Solectron fast 29 000 Menschen und betreibt weltweit 20 Fabriken. Im vergangenen Quartal verdiente das Unternehmen nach Steuern knapp 64 Millionen Dollar und setzte stolze 2 Milliarden Dollar um. Damit ist es jetzt schon größer als beispielsweise der Computerkonzern Apple.

Der Grund für diese Erfolgszahlen: Solectron kann billiger produzieren, weil es sich nur auf die Herstellung von Hardware konzentriert. Die Fabriken des Unternehmens arbeiten rund um die Uhr. Wenn das PC-Geschäft Anfang des Jahres ruhiger ist, produziert es einfach mehr Computerkassen. Und als Großabnehmer kann es mit den Zulieferern der Bauteile bessere Preise aushandeln.

Solectron spart auch bei den Löhnen. In seiner Fabrik im Silicon Valley in der Nähe von San Jose arbeiten vor allem Einwanderer. Sie werden oft zunächst von einer Zeitarbeitsfirma ausgeliehen und bekommen lediglich 6,50 Dollar pro Stunde, wenig mehr als der offizielle Mindestlohn. Erst wenn sie sich bewähren, werden sie fest eingestellt.

Aber zu sehr darf Solectron seine Mitarbeiter nicht ausbeuten. Denn unzufriedene und schlecht ausgebildete Arbeitnehmer kann sich das Unternehmen nicht leisten: Seine Margen sind so dünn, daß Qualitätsmängel sofort auf die Bilanz durchschlagen. Jede Woche fragt es daher auch seine rund 150 Kunden, wie zufrieden sie mit den gelieferten Waren sind.

Sind Solectron und Konsorten weiterhin so erfolgreich, dann werden die Computerkonzerne von morgen kaum noch eigene Fabriken haben und lediglich aus Abteilungen bestehen, die Produkte entwickeln, testen und vermarkten. Netzrechner-Produzent Cisco zeigt bereits heute, was das bedeutet: Obwohl er 8,5 Milliarden Dollar Umsatz macht und 80 Prozent der Schaltstellen für das Internet liefert, betreibt er nur noch 3 eigene Produktionsstätten.