Den Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Westeuropa stehen erhebliche Veränderungen bevor. Konflikte erscheinen dabei unausweichlich. Kein Beteiligter will dies, doch wird die Macht der historischen Ereignisse den Regierungen die Dinge aus der Hand nehmen.

In einer globalisierten und deregulierten internationalen Wirtschaft prallen die unvereinbaren Interessen beider Seiten unvermittelt aufeinander. Konfliktfelder sind zum einen der Euro, die europäische Einheitswährung; und zum anderen der transatlantische Wettbewerb auf bestimmten strategischen, hochtechnologischen Industriefeldern.

Die Europäische Union ist der einzige internationale Akteur, der ernsthaft in der Lage ist, die Vereinigten Staaten herauszufordern. Es ist ein charakteristischer Fehler in der amerikanischen Diskussion, diese bloß denkbare Bedrohung in militärische Begriffe zu fassen. Doch geht es dabei nicht um Krieg: Ich spreche von einem harten wirtschaftlichen und industriellen Wettbewerb, den die Vereinigten Staaten nicht zwangsläufig gewinnen werden und dessen politische Folgen die amerikanische Vorherrschaft im internationalen System, das seit dem Ende des Kalten Krieges existiert, mit Sicherheit beenden werden.

Die Rivalität zwischen der europäischen und der amerikanischen Industrie hat Tradition, und bisher weckte sie, zum gegenseitigen Vorteil, in erster Linie die wirtschaftliche Kreativität. Die meisten Beobachter auf beiden Ufern des Atlantiks scheinen zu glauben, daß es so weitergeht - ungeachtet der unterschiedlichen Handelspraktiken, Industriesubventionen und kulturellen Sonderregelungen bei der Harmonisierung des Handels.

Auf dem Tisch liegen Vorschläge zur Schaffung einer transatlantischen Freihandelszone. In Europa ebenso wie in den USA unterstützen manche eine "neue atlantische Initiative", die durch die Expansion der Nato eine politisch-wirtschaftliche Union unter Führung der Vereinigten Staaten schaffen würde: Ein solcher Zusammenschluß könnte sich bis nach Mittel- und Osteuropa ausdehnen und sich die Europäische Union einverleiben.

Manche würden ein derartiges Gebilde noch weiter ausdehnen, bis nach Eurasien oder gar Asien, wie es zum Beispiel Zbigniew Brzezinski in seinem Buch Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft (Belz Quadriga, Berlin 1997)vorgeschlagen hat. Diese politischen und ökonomischen Konstrukte wären auch Sicherheitssysteme, die den Frieden im Innern bewahrten und gegen Bedrohungen der sogenannten "Schurkenstaaten", wie man in Washington sagt, intervenierten.

In Europa zeigt man durchaus Verständnis für solche Ideen. Die Einführung des Euro wird allerdings Veränderungen im transatlantischen Verhältnis auslösen. Für die Europäer ist sie ein Sprung ins Ungewisse. Zumal in Großbritannien und den Vereinigten Staaten sind viele der Ansicht, daß eine einheitliche Währung für elf ganz unterschiedliche nationale Ökonomien zwangsläufig schwach sein werde. Gegenwärtig hat man in Europa aber eher die Sorge, daß der Euro zu stark sein und negative Auswirkungen auf den Export haben könne.