Namen werden nicht genannt. Zum Beginn des neuen Jahres hat der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch seinem weitverzweigten und bisher unüberschaubaren Konzern eine neue, klare Struktur verpaßt - um ihn fit zu machen für den Einstieg finanzstarker Partner. Doch mit wem man verhandelt, darüber schweigt sich das Münchner Unternehmen aus. Immerhin: Noch im ersten Quartal dieses Jahres, sagt Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn, werde eine Entscheidung fallen. Auf jeden Fall sei aber gewährleistet, daß der Firmeninhaber seinen "Einfluß auch in Zukunft wahren" könne.

Die vielfältigen Kirch-Medienfirmen, die sich auf den verschiedensten Feldern mit höchst unterschiedlichem Erfolg tummeln, wurden nun in drei Holdingfirmen zusammengefaßt. Damit hat Kirch sein Reich nicht nur für die Zukunft gerüstet. Er hat auch die erheblichen Risiken, die er mit dem Einstieg ins Digital-TV eingegangen ist, sauber von den übrigen Geschäftsfeldern getrennt. Die neue TaurusBeteiligungsgesellschaft kommt allerdings weder für eine Beteiligung noch gar für einen Börsengang in Frage. Sie umfaßt neben der Kirch-eigenen Technikfirma Beta Technik vor allem die mehr als 40prozentige Beteiligung am Hamburger Springer Verlag.

Für Kirch selbst am drängendsten scheint ein Einstieg finanzstarker und geduldiger Partner in die PayCo Holding. Die nämlich vereint im wesentlichen die 25prozentige Beteiligung am Hamburger Pay-TV-Sender Premiere und dem eigenen hochdefizitären Digitalsender DF 1. Gewinne wirft auch Premiere nicht ab. Daß dort noch "die Hausaufgaben" zu machen sind, räumt Dieter Hahn unumwunden ein. In der Tat: Der von Kirch und dem Bertelsmann-Konzern geplante gemeinsame Einstieg ins digitale TV-Zeitalter über ihren Sender Premiere war im vergangenen Jahr von der EU-Kommission wie auch vom Bundeskartellamt untersagt worden.

Für Kirch eine Katastrophe, denn er hatte voll auf den Zukunftsmarkt gesetzt, den eigenen Digitalsender gestartet, die notwendigen Decoder in Millionenzahl geordert und - vor allem - riesige Filmpakete in Hollywood ausschließlich fürs Digital-TV eingekauft. Doch das neue Fernsehen kommt hierzulande nicht ins Rollen. Die Auswahl an frei empfangbaren Sendern reicht den Zuschauern, und Geld für Decoder und noch mehr Sender wollen sie nicht herausrücken. Premiere konnte bisher nicht mehr als 400 000 Digitalabonnenten gewinnen (Abonnenten insgesamt: 1,7 Millionen), und DF 1 kommt auf 280 000. Überdies sind sich die Premiere-Gesellschafter, Kirch und die Bertelsmann-Tochter CLT/Ufa, nicht einig über die weitere Marktstrategie. Ebenso uneins sind sich die beiden Unternehmen über einen dritten Partner bei Premiere, da sie den Sender nicht allein beherrschen dürfen. Doch derzeit finden nicht ein- mal Gespräche statt. Weitere rund 2,5 Milliarden Mark an Investitionen, so rechnet man bei Kirch, sind für die Durchsetzung des digitalen Fernsehens hierzulande notwendig. Gelder, die Kirch allein nicht aufbringen kann.

Eine mögliche Spekulation der Bertelsmänner, Kirch könne sich am digitalen Abenteuer verheben, scheint nun zwar nicht aufzugehen. Noch aber hat der 72jährige Alleinherrscher seine potentiellen Partner nicht gewonnen. Daß er schon seit langem mit dem italienischen Medienunternehmer Silvio Berlusconi sowie mit dem weltweit agierenden Rupert Murdoch über den Einstieg in seine Gruppe spricht, daraus wird in Italien kein Geheimnis gemacht. Der potentere Murdoch, den es auf den starken TV-Markt Deutschland drängt, hüllt sich in Schweigen. Allerdings ist kaum anzunehmen, daß er sich mit einer Minderheitsbeteiligung bei Kirch zufriedengibt.