Wenn etwas zu Filmstoff wird, geht es in die Geschichte ein - so scheint es in unserem Medienzeitalter. Umkehren läßt sich der Satz kaum; nicht alles, was in die Geschichte eingeht, wird Filmstoff. Aber Filme spielen manchmal auch zur Geschichte hoch, was nur eine Story ist.

Wie war das mit Bubi Scholz? Was für einen Stoff gibt sein Leben her? Bloß die Biographie eines Boxers oder mehr? Der Zweiteiler von Uwe Timm (Buch) und Roland Suso Richter (Regie) erzählt die Vita eines zähen Aufsteigers und dabei, ohne jeden Draufdrücker, zugleich die Geschichte unserer Republik, die ganz ähnlich verlief. Zuerst waren da nur Trümmer und Armut, dann regten sich neue Kräfte, und man spielte mit den Muskeln; Tüchtigkeit, Disziplin und Glück halfen mit, eine Erfolgsstory anzuschieben, die bis zur Europameisterschaft führte. Als es nicht mehr weiterging, stellten sich Depressionen ein, und die Sinnfrage stieg auf. Sie blieb ohne Antwort, stürzte den Boxer in die Alkoholabhängigkeit - und die Bundesrepublik in eine moralische Krise, die bis heute anhält.

Scholz als Mr. Bundesrepublik, in Sieg und K.o., das ist keine gesuchte Parallele, das springt von selbst in den Kopf, und so brauchen weder Autor noch Regisseur, noch Darsteller sie eigens herauszupräparieren. Sie können sich in die "kleinen Dinge" vertiefen, in die Nebenhandlungen und biographischen Abstecher und Ausrutscher, die der Handlung ihre Lebendigkeit geben.

Storys von Kerlen, mit denen niemand gerechnet hat, die dann aber allen über den Kopf wachsen, bis sie an ihrem eigenen Erfolg zerbrechen, sind tausendmal verfilmt worden; das Recycling hat den Stoff fadenscheinig gemacht. Die Bubi-Scholz-Story bietet mehr: Man sieht das Land, aus dem der Boxer kommt, mitkämpfen und mitsiegen und am Ende nicht wissen, wohin mit seinen Pokalen.