Das Jahr 1718. In Nordeuropa herrscht Krieg. Die Großmacht Schweden kämpft gegen Rußland, Dänemark, Preußen und Hannover um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Schwedenkönig Karl XII. rückt gegen die norwegische Festung Frederikshald vor. Er bedient sich dabei der Hilfe eines jungen Ingenieurs, der ein bemerkenswertes Kunststück vollbringt: Durch ein völlig neuartiges Rollenfahrzeug gelingt es dem Schwedenheer, zwei Galeeren, fünf Boote und eine Schaluppe vierzehn englische Meilen weit über Land zu schaffen. Der Erfolg sollte dem König allerdings wenig nützen. Seine Armee wird bei Frederikshald vernichtend geschlagen. Karl XII. findet den Tod; es ist der Anfang vom Ende des schwedischen Großreiches.

Ein vertrautes Kapitel der europäischen Geschichte. Weniger bekannt freilich ist heute das Schicksal jenes genialen Ingenieurs, der neben seinem Rollenfahrzeug Pläne für ein Flugzeug, ein Unterseeboot und eine Dampfmaschine entwarf und den viele Zeitgenossen für eine der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Epoche halten sollten: Emanuel Swedenborg.

Geboren wurde er im Jahr 1688 in Stockholm als Sohn eines lutherischen Bischofs. Schon früh erkennt der Vater, daß die ganze Leidenschaft des Sohnes den Naturwissenschaften gilt, und finanziert ihm einen langjährigen Studienaufenthalt in England. Die großen Naturforscher Isaac Newton, Edmund Halley und John Flamsteed enträtseln hier in den neuesten Observatorien und Laboratorien die Geheimnisse des Universums.

Swedenborg findet sich unter den wenigen Menschen, die Flamsteed in seiner Himmelswerkstatt in Greenwich duldet. Die Naturforscher Hans Sloane und John Woodworth besprechen mit ihm ihre biologischen und geologischen Studien. Noch keine 25 Jahre alt, sieht er sich selbst als Teil der gelehrten High-Society Londons. Der Vater und sein schwedischer Lehrer Erik Benzelius erhalten Briefe auf englisch, und ganz nebenbei blitzt sein Ehrgeiz auf: "Ich habe alle Propositionen zum Auffinden der Längengrade der Erde erforscht, konnte aber keine einzige ausreichend finden. Ich habe deshalb eine eigene Methode vermittelst des Mondes erfunden, die unfehlbar ist und von der ich gewiß bin, daß sie die beste ist, die je aufkam. Ich habe auch viele neue Methoden zur Beobachtung der Planeten, des Mondes und der Sterne erfunden."

Nach fünf Jahren kehrt Swedenborg 1714 nach Schweden zurück. In seinem Gepäck befinden sich Studien über Chemie, Optik, Mathematik und Physiologie, viele Pläne für technische "Erfindungen" und eine klare Zukunftsvorstellung. Ohne zu zögern, unterbreitet er zahlreiche Vorschläge, ihm eine Professur für Mechanik an der Universität Uppsala einzurichten oder ihn zum Direktor einer neu zu gründenden Akademie zu machen, zumindest aber zum Chef eines dito neu zu schaffenden Observatoriums. Eine naturwissenschaftliche Fakultät gehöre in Schweden eingerichtet und der Etat der philosophischen Fakultät gekürzt. Die neue Professur - seine eigene - könne am besten durch die gleichmäßige Verminderung der Einkünfte der übrigen Lehrer finanziert werden.

Die Prosa der Verhältnisse freilich läßt Swedenborgs Träumen wenig Platz; die Universitäten weisen sein Ansinnen kalt zurück. Die vermeintlichen Kollegen verlachen ihn als einen Phantasten, sein Vater wähnt den übermütigen Sohn von allen guten Geistern verlassen. Mit Glück und Beziehungen kommt Swedenborg schließlich zu einer Assistentenstelle beim königlichen Hofmechanikus Christopher Polhem.

Doch der abgewiesene Universalwissenschaftler hat Glück im Unglück. Bei Polhem fällt er dem jungen Karl XII. auf. Mit gutem Blick erkennt der König das Talent. Swedenborg wird außerordentlicher Assessor am Bergwergskollegium, der wichtigsten Industriebehörde Schwedens. Wie Leibniz seine Erfindungen in den Werkstätten der hannoverschen Bergwerke im Harz erprobt hatte, stellt Swedenborg physikalische und chemische Untersuchungen an, bastelt an technischen Erfindungen und konstruiert Modelle neuer Maschinen. In Karlskrona baut er ein Schiffsdock, der Lauf der Göta soll trotz der Trollhättan-Wasserfälle schiffbar gemacht werden - ein bis dato einmaliges Schleusenprojekt.