Rolf Dieter Brinkmann: Westwärts 1 & 2; Gedichte; mit Fotos des Autors; Rowohlt-Taschenbuch Verlag, Reinbek 1999; 200 S., 18,90 DM Wahrscheinlich sind diese jetzt wieder aufgelegten, zwischen 1970 und 1974 geschriebenen Gedichte die größte und bleibende Tat Brinkmanns. Selten hat jemand mit so viel Zorn gegen die herkömmliche Lyrik so gute Lyrik geschrieben, inspiriert von den Amerikanern und doch sehr deutsch, man lese nur Die Orangensaftmaschine oder Trauer auf dem Wäschedraht im Januar.

Boris Poplawskij: Unter der Sternenfahne; Gedichte; aus dem Russischen von Alexander Nitzberg; zweisprachige Ausgabe; Grupello Verlag, Düsseldorf 1998; 78 S., 22,80 DM Die Notwendigkeit kleiner Verlage beweist dieses Bändchen aufs deutlichste: Wer sonst hätte uns mit diesem verschollenen russischen Wunder bekannt gemacht, diesem Dichter Poplawskij, der von 1903 bis 1933 lebte und Verse der kühnsten Art schrieb, voll glühender religiöser Inbrunst - und zugleich schwarze Gesänge von Nacht und Tod. Gesänge: Sie klingen ganz unerhört, wie eine ferne, fremde Musik.

Bodo Morshäuser: Liebeserklärung an eine häßliche Stadt; st 2933, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1998; 155 S., 12,80 DM Morshäuser, Berliner des Jahrgangs 1953, liebt seine Stadt, wie man die alte, verfleckte Hausjacke liebt: Man sieht ihre Mängel, möchte sie aber nicht missen. Mit einer ins Lakonische getriebenen Sentimentalität erzählt er von den Türken und den Russen, höhnt über die Politiker und die Medien, und am Ende entstehen schöne, spröde Feuilletons von entspannter Illusionslosigkeit.