Gerhard Fechner, Privatdozent am Institut für Rechtsmedizin der Universität Münster, hat immer wieder mit nicht erkannten Morden zu tun. Der skurrilste Fall, den er untersuchte, spielt im Jahr 1987. Auf einem Bauernhof in Westfalen. Der alte Bauer bittet seinen Sohn, die Autobatterie aus dem Kühler des Traktors zu heben. Als der Sohn sich bückt, schlägt der Vater mit einer Eisenstange nach dessen Kopf, trifft aber nur die Schulter.

Der Sohn flieht, geht ins Krankenhaus und zeigt den Vater an. Bei der Vernehmung erwähnt er, daß zwei Jahre zuvor ein Freund auf dem elterlichen Hof unter merkwürdigen Umständen zu Tode gekommen sei. Die alten Unterlagen werden herbeigeschafft. Im Totenschein des Verstorbenen ist die Todesursache vermerkt: Schädelbruch durch Sturz.

Leichenbeschauer waren damals ein Arzt und ein Polizist. Sie gingen gründlich vor. Die Leiche, sie war in einem Stall aufgefunden worden, hatte eine große Schwellung am rechten Auge und ein dickes Hämatom. Ansonsten war sie unverletzt. Die beiden Leichenbeschauer waren zu dem Schluß gekommen, der junge Mann müsse an jenem kalten Wintertag auf einer Eisplatte ausgerutscht sein, sich den Kopf zertrümmert haben und seinen tödlichen Verletzungen an Ort und Stelle erlegen sein.

Nun, nach dem Anschlag des Alten auf den Sohn, sieht der Todesfall nicht mehr so eindeutig aus. Der alte Bauer wird befragt, er verwickelt sich in Widersprüche. Die Staatsanwaltschaft ordnet die Exhumierung der Leiche an. Am 23. Dezember 1987 wird das, was von dem jungen Mann noch übrig ist, ausgegraben.

Auf den ersten Blick bestätigt sich den zuständigen Rechtsmedizinern, was die Leichenbeschauer diagnostiziert hatten. Bei der äußeren Inspektion des Schädels sind Frakturen erkennbar. Offenbar ein Schädelbruch. Das Schädeldach wird geöffnet, und als die Rechtsmediziner das Gehirn in seiner harten Haut herausheben, ertönt ein leises Klimpern. Auf dem metallenen Sektionstisch liegt ein verformtes kleinkalibriges Bleiprojektil. Das Geschoß hatte den Kopf nicht durchschlagen. Es war durch das Auge eingedrungen und an der Schädelhinterwand abgeprallt.

Die Nachforschungen der Polizei ergaben, daß der Vater zwei Jahre zuvor einen Mörder gedungen hatte, der den Sohn gegen Zahlung von 5000 Mark beseitigen sollte. Der hatte sich auf die Lauer gelegt und im Zwielicht den nächstbesten jungen Mann erschossen.