Herr R. läßt vor Gericht nichts auf sich kommen. Nur wegen seines absolut gesetzestreuen Verhaltens sei er in die Fänge der Hamburger Polizei geraten und habe ohne jeden Grund ein halbes Jahr in Untersuchungshaft sitzen müssen, erklärt er entrüstet seinem Richter. Angeklagt ist Manuel R. wegen versuchten Diebstahls, einer Tat, die er - da ist er sich ganz sicher - nicht begangen habe.

Im Gegenteil: Im März sei er ganz friedlich des Nachts im Hamburger Stadtteil Langenhorn eine Chaussee entlanggegangen, als er beobachtet habe, wie sich "zwei verdächtige Personen" an einem Wagen zu schaffen machten. Sofort habe er erkannt, daß es sich um einen Einbruch in das Auto handeln müsse, schließlich sei die Scheibe der Beifahrertür zertrümmert gewesen. "Manuel, hol bloß die Polizei", habe er da gedacht. Doch jetzt wisse er, daß das ein böser Fehler gewesen sei. Der Angeklagte schweigt beleidigt, als der Richter ihn zweifelnd ansieht.

Herr R. will sich damals sofort auf die Suche nach einer Telefonzelle gemacht haben, um die Polizei zu alarmieren. Doch anstatt die Räuber zu verfolgen, hätten die Beamten ihn festgesetzt, nachdem er fast eine Stunde auf den Einsatzwagen gewartet habe. Seine Version des Tathergangs habe die Polizei partout nicht glauben wollen, klagt der Angeklagte, und nun schmore er unschuldig in Untersuchungshaft.

Herrn R.s Hinweis auf einen Autoaufbruch wurde indessen niemals in der Notrufzentrale protokolliert. Polizist Michael H. fuhr damals Streife, als er R. bei dem aufgebrochenen Fahrzeug entdeckte. Was heiße "bei", korrigiert sich der Beamte, "im Fahrzeug", müsse es heißen. Denn Manuel R. streckte gerade seinen Oberkörper durch die aufgebrochene Scheibe, als der Polizist ihn erblickte.

Der Angeklagte ist trotz der peinlichen Lage, in der man ihn erwischte, nicht um weitere Erklärungen verlegen. Er habe sich nur in den Wagen gebeugt, um ein Notizbuch aufzuheben, denn so habe er versucht, den Namen des Halters herauszufinden, sagt er. Daß er damals einen sogenannten Nothammer - ein ideales Werkzeug, um Autoscheiben aufzubrechen - in der Hosentasche hatte, sei ein weiterer "irgendwie unglücklicher" Zufall. Den Hammer benötige er nämlich für Reparaturarbeiten, erklärt Manuel R.

"Na, Herr R., da haben Sie als Zeuge eines Kapitalverbrechens die Polizisten doch bestimmt freudig begrüßt", spottet der Richter ungeniert. Denn angesichts der Beamten soll R. zunächst versucht haben, sich hinter dem Wagen zu verstecken, dann soll er sich als Besitzer des Wagens ausgegeben haben. "Er hat mir gesagt, er habe den Schlüssel verloren", sagt der Polizist. Geglaubt habe er Herrn R. aber nicht.

Der muß sich in der Verhandlung vorhalten lassen, schon häufig auf krummen Touren erwischt worden zu sein. Einmal soll sich Manuel R. vor der Polizei sogar im Bettkasten seiner Freundin versteckt haben. Das Vorstrafenregister weist ihn als mehrfachen Autoknacker aus, aber auch das stellt der Angeklagte nun richtig. "Diese Taten habe ich nie begangen, nur auf Rat meiner Anwältin habe ich damals gestanden", erregt er sich. Manuel R. verlangt "Freispruch mangels Beweisen".