die zeit: Herr Präsident, die Europäische Zentralbank hat ihre Arbeit aufgenommen. Aus der Bundesrepublik darf nur noch der Bundesbankpräsident mitentscheiden. Bricht jetzt für Sie und Ihre Kollegen im Zentralbankrat der große Frust aus?

Ernst Welteke: Nein, wenn auch richtig ist, daß der deutsche Zentralbankrat in der Geldpolitik nicht mehr entscheiden, sondern nur noch den Präsidenten beraten kann. Eine fundierte Beratung ist aber nicht geringzuschätzen.

zeit: Braucht der Präsident nicht statt des Zentralbankrates einen echten Beraterkreis?

Welteke: Der Zentralbankrat spiegelt gesellschaftliche Pluralität wider. Seine Mitglieder unterscheiden sich nach Herkunft und Sozialisation, was ich für gut halte. Auch künftig sollten die Berater unabhängig sein. Ich bezweifle, daß ein Kabinett, das der Bundesbankpräsident selbst auswählen würde, zu optimalen Ergebnissen führt.

zeit: Es bleibt also alles beim alten?

Welteke: Nein, bei der jetzigen Struktur der Bundesbank kann es auf Dauer nicht bleiben. Aber wir sollten darauf achten, daß unter unseren Mitarbeitern keine Unruhe entsteht. Derzeit werden Konflikte konstruiert, die ich für unsinnig halte: So stellt man den knapp 600 Beschäftigten der EZB die 53 000 in den nationalen Notenbanken gegenüber. Das ist unangemessen, die beiden Ebenen sind wegen der unterschiedlichen Aufgaben nicht vergleichbar. Wir haben hier eine Menge von Tätigkeiten, beispielsweise im Zahlungsverkehr und in der Bankenaufsicht, die in der EZB überhaupt nicht anfallen.

zeit: Wird die Bundesbank die notwendigen Veränderungen dem Gesetzgeber überlassen, oder wird sie eigene Vorschläge präsentieren?