Das alte traurige Lied - Europa bewegt sich dynamisch nach vorn, Großbritannien zaudert. Der fulminante Start des Euro hat das europäische Dilemma der Inselnation nur noch unterstrichen. In der City gibt man sich dennoch selbstbewußt. Der Euro, gut fürs Geschäft, sei einfach "eine weitere Währung mehr". Weit weist man den Gedanken von sich, Londons Stellung als internationaler Finanzplatz könnte durch Großbritanniens Außenseiterrolle gefährdet werden.

Doch hier wird laut im dunklen Wald gepfiffen. Gewiß kann die City mit ihrer einzigartigen Konzentration von Knowhow und Dienstleistungen die Konkurrenz in Frankfurt vorerst auch ohne Mitgliedschaft in der Währungsunion abwehren. Doch auf Dauer dürfte das kaum gelingen. Und dann sind da andere Sorgen: um ein stark fluktuierendes Pfund und um die Direktinvestitionen des Auslands. Gerade der ausländische Geldstrom könnte angesichts der Sogwirkung des Euro-Lands versiegen, ähnlich wie in jenen bitteren Zeiten, als Großbritannien nicht der EG angehörte.

Da ist es um so dringlicher, daß die Politiker schnell Klarheit schaffen über Großbritanniens europäische Absichten. Industrieverband und Gewerkschaften drängen Tony Blair, einen Terminplan zu verkünden. Doch die Sache hat einen Haken: Die Regierung kann einen noch so einleuchtenden Fahrplan aufstellen - am Ende braucht Blair die Zustimmung der Nation. Es reicht eben nicht, wenn sich Regierung und Parlament für den Beitritt zum Euro-Land entscheiden. Die britische Öffentlichkeit will nach wie vor nichts von einem Verzicht auf ihr Pfund Sterling wissen. Normalerweise scheuen Regierungen vor Volksabstimmungen zurück, wenn sie des Erfolges nicht sicher sein können. Tony Blair wird den Sprung ins Ungewisse wagen und ein hohes politisches Risiko eingehen müssen.

Die Abneigung der Briten gegen die Währungsunion ist sogar noch gewachsen; nach einem Trommelfeuer der Eurofeindlichen Presse lehnen 52 Prozent der Briten den Euro ab, nur 29 Prozent würden mit Ja stimmen. Der Gedanke an die finale Schlacht ums Pfund treibt Ministern in London den Angstschweiß auf die Stirn.