Princeton

Das Interesse der neuen deutschen Regierung an einer Debatte in der Nato über "den Ersteinsatz von Atomwaffen" erinnert mich an gewisse Entwicklungen vor knapp einem halben Jahrhundert.

Ende 1949, als ich meine Arbeit als Direktor des Politischen Planungsstabs von General George C. Marshall beendete, stand die amerikanische Regierung vor der Frage, ob sie mit der Entwicklung der Wasserstoffbombe fortfahren sollte; sie war als Ersatz für die weniger wirkungsvollen Bomben gedacht, die wir gerade gegen Hiroshima und Nagasaki eingesetzt hatten. Robert Oppenheimer und ich waren an Diskussionen über dieses Thema innerhalb der Regierung beteiligt. Wir waren beide der Meinung, daß unsere Regierung, bevor sie den entscheidenden Schritt täte, erst einmal eine Denkpause einlegen und sich fragen sollte, wohin uns die Produktion und die Weiterentwicklung dieser neuen Form von Waffen führen könnten. Wir meinten beide, mit der Einführung solcher Massenvernichtungswaffen in unser reguläres Sicherheitssystem könnten wir uns tief in eine Art von eingebildeter Kriegsführung verstrickt finden.

In den ersten Tagen des Jahres 1950 schrieb ich dem neuen Außenminister Dean Acheson einen persönlichen Brief, in dem ich die Frage so beschrieb, wie ich sie sah: Würden wir diese Waffe entwickeln und unsere Verteidigungsdoktrin um sie herum aufbauen? Oder würden wir sie als etwas betrachten, das man als Antwort auf einen Nuklearangriff in der Rückhand hält und was uns somit gestattete, so weit wie die anderen Nuklearmächte bei den Bemühungen zu gehen, diese Art von Waffen aus den internationalen Arsenalen zu beseitigen?

Unsere öffentliche Haltung, schrieb ich, sollte sein: "Wir lehnen die Existenz aller Massenvernichtungswaffen unterschiedslos ab. Wir bedauern, daß wir gezwungen waren, sie einzusetzen. Wir hoffen, daß wir das niemals wieder tun müssen. Wir haben nicht vor, das jemals wieder zu tun, es sei denn, wir werden durch den Einsatz solcher Waffen gegen uns dazu gezwungen. In der Zwischenzeit sind wir bereit, sehr weit zu gehen. Wir sind bereit, beträchtliches Vertrauen in andere zu beweisen und bestimmte Risiken auf uns zu nehmen, um eine internationale Übereinkunft über die Beseitigung solcher Waffen aus den internationalen Arsenalen zu erreichen; denn wir können uns nichts Gefährlicheres vorstellen als eine weitere internationale Konkurrenz bei der Entwicklung der Nuklearwaffen."

Ich behauptete, durch die Zerstörungskraft dieser Waffen werde weder ein Sieg noch Sicherheit für unsere Menschen gewonnen. Deren Wirkung könnte nur zur Zerstörung der menschlichen Zivilisation, unserer eigenen eingeschlossen, führen.

Ich kann mich an keine Antwort von Mister Acheson erinnern. Aber einige Tage später, am 15. Januar 1950, gab Präsident Truman die Absicht unserer Regierung bekannt, mit der Entwicklung der Wasserstoffbombe fortzufahren.