Ein Geheimnis hütet Japan in diesen Tagen besonders eifersüchtig. Die Frage, wieviel seiner Währungsreserven das Land seit dem 1. Januar in Euro umgewandelt hat, wollen weder die japanische Zentralbank noch das Finanzministerium beantworten. Schade, denn schließlich entscheidet sich das Schicksal des Euro unter anderem in Japan, dem Land mit den größten Devisenreserven der Erde. Rund 216 Milliarden US-Dollar schlummerten zum Zeitpunkt der Euro-Einführung in den Tresoren der Bank von Japan.

Andere Zentralbanken in der Region hüten ebenfalls gewaltige Rücklagen - insgesamt schätzungsweise 800 Milliarden US-Dollar. Schon vor dem Start des Euro hatten daher Äußerungen aus dem Umkreis der chinesischen Zentralbank für Aufregung gesorgt, China wolle einen "beträchtlichen Teil" seiner Reserven aus dem Dollar in den Euro umschichten.

Die meisten Beobachter gehen davon aus, daß Japans Notenbank den Euro-Anteil ihrer Reserven nur allmählich aufstocken wird - allein schon aus Respekt gegenüber dem wichtigsten Bündnispartner USA. Aber wenn der Euro eine starke und stabile Währung wird, könnte sich das ändern. Interessiert, aber vorsichtig zeigen sich auch Japans Großinvestoren. Sie sehen den Euro als willkommene Chance, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.

Die Rezession in Japan und vor allem der miserable Zustand des japanischen Finanzsystems dämpfen jedoch die Euro-Begeisterung in Tokio. Insgesamt ist es "momentan eher unwahrscheinlich", so Ken Okamura, Chefökonom bei der Dresdner Kleinwort Benson in Tokio, daß die unter faulen Krediten leidenden und von Pleiten bedrohten Finanzinstitute des Landes ihre Auslandsinvestitionen in diesem Jahr erhöhen werden. Doch auch Skeptiker wie Okamura reden davon, daß die Japaner den Euro mittlerweile viel wohlwollender beurteilen. "Seit einigen Monaten ist man in Tokio überzeugt, daß der Euro eine starke und attraktive Währung wird."