Als in Brüssel der Euro mit Sekt begrüßt wurde und die deutsche Ratspräsidentschaft begann, machte die Regierung Urlaub: der Bundeskanzler an der Costa del Sol, der Finanzminister in der Karibik, der Außenminister an der Themse. Sind sie deswegen schlechte Europäer?

Absurde Frage. Also andersherum: "Herr Bundeskanzler", eröffnete der Spiegel ein Interview, "sind Sie ein guter Europäer?" - "Davon", antwortete Schröder, "können Sie ausgehen."

Eigenartig, daß sich die rot-grüne Regierung ständig Fragen nach ihrer europäischen Gesinnung gefallen lassen muß. Warum nur? Kein Beteiligter habe Oskar Lafontaine bei den Euro-Feierlichkeiten vermißt, beteuert Joschka Fischer - "nur ein paar Journalisten".

Die Journalisten also. Was denen alles auffällt! Daß Deutschland als einziges Land der Währungsunion einen Ersatzmann nach Brüssel schickt. Daß dieser - es war übrigens Werner Müller, der Wirtschaftsminister - in seiner Ansprache vor allem von "Konvergenzen" und "Inflationsraten" berichtete, während die Finanzminister aus Frankreich, Italien und anderswo kräftig den Mantel der Geschichte wehen ließen. Daß im Bonner Kanzleramt nicht mehr mit dem Herzen über Europa gesprochen wird, sondern mit dem Taschenrechner, zuweilen sogar mit der Peitsche. Das soll Zweifel an der rot-grünen Europapolitik nähren können?

Nein, alle, alle außer der Bundesregierung, hören das Gras wachsen: die Journalisten von Berufs wegen; die Opposition, die als "neuen Wilhelminismus" (Wolfgang Gerhard) bezeichnet, was in Wahrheit die Abkehr von der Kohlschen "Scheckbuchdiplomatie" bedeutet; schließlich die Regierungen der osteuropäischen Beitrittsländer, die völlig grundlos vor zuviel europapolitischem Realismus warnen. Sie alle verkennen die neue Bundesregierung.

Und dann noch Thomas Klestil: Er fände es "sehr bedauerlich", sagte der österreichische Bundespräsident am Montag, "daß die deutsche Präsidentschaft der EU-Erweiterung nicht die Bedeutung beimißt, welche die österreichische Präsidentschaft diesem Thema gewidmet hat". Wie kommt der Mann zu einer solchen Sicht, wo die deutsche Präsidentschaft doch gerade erst begonnen hat?

Joschka Fischer will das nicht kommentieren, aus Höflichkeitsgründen. Nur soviel: "An unserem Engagement, die Erweiterung voranzubringen, besteht überhaupt kein Zweifel." Punkt. Noch irgendwelche Fragen? Davon kann man ausgehen.