die zeit: Sie sind im dritten Lehrjahr und verdienen 450 Mark im Monat, Ihr Lehrbetrieb ist in Hamburg, die Berufsschule in München, und als Vergolderin haben Sie nicht einmal gute Jobaussichten. Das klingt nicht nach einem Traumberuf.

Michaela Appelles: Das stimmt schon, vergoldete Möbel können heute nur noch wenige Leute bezahlen, und es gibt auch immer weniger Restaurierungsaufträge, weil am Denkmalschutz gespart wird. Trotzdem ist es ein wunderschönes altes Handwerk, in dem viel Geschichte steckt. Und es ist feiner als das Tischlern, das ich eigentlich gelernt habe, aber aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte. Sie müssen einmal sehen, wie das Blattgold anfängt zu glänzen, wenn man es nach stunden- oder tagelanger Arbeit poliert. Das ist immer wieder faszinierend.

zeit: Wie funktioniert das Vergolden?

Appelles: Die aufwendigste Methode, die zum schönsten Ergebnis führt, ist die Polymentvergoldung. Dafür bereite ich den Untergrund, zum Beispiel einen Bilderrahmen, mit verschiedenen Grundierungen vor, in denen Tierleim enthalten ist. Danach benetze ich die Fläche mit Brennspiritus und Wasser und lege das Blattgold mit einem Pinsel auf. Warum das hält, ist mir immer noch ein Rätsel. Es soll daran liegen, daß der Leim durch das Wasser-Spiritus-Gemisch aufquillt. Am Schluß muß die Fläche noch mit einem Achat poliert werden, erst dann ist das Gold wirklich fest und sieht wie echt aus.

zeit: Warum müssen Sie bis nach München fahren, um das zu lernen?

Appelles: Nur dort gibt es eine Berufsschule mit eigenen Vergolderklassen. In meinem Ausbildungsjahr sind 20 Schüler aus ganz Deutschland, nur 2 davon sind aus München. Die anderen fahren dort immer nur für drei Wochen hin.

zeit: Wissen Sie schon, wie es weitergeht, wenn Sie mit Ihrer Ausbildung fertig sind?