Er muß ein recht harter Geselle sein, der Schöpfer dieser Welt. Nicht nur, daß er die Menschheit dazu verdammt hat, das Brot im Schweiße des Angesichts zu verdienen. Zusätzlich hat er ihr noch etliche Geißeln aufgebürdet, die diesen Broterwerb besonders schwer machen.

Insbesondere jene finstere Einrichtung, die unter der Bezeichnung "Finanzamt" Angst und Schrecken verbreitet. Skrupellos bricht es sich von jeder mühsam erworbenen Brotkante ein großes Stück ab - oft mehr als die Hälfte. Kein Wunder, daß unerschrockene Rebellen versuchen, den Lohn ihrer Arbeit in Sicherheit zu bringen. Steuerleute sprechen dann von Schwarzgeld.

Im Grunde ist es kinderleicht. Man muß nur ein paar haupt- oder nebenberufliche Einnahmen in der Steuererklärung verschweigen. Für Sportler, Babysitter, Fotomodelle, Journalisten und Komparsen ist das eine große Versuchung. Aber auch Einzelhändler haben beispielsweise die Möglichkeit, zu höheren Preisen zu verkaufen, als sie dem Finanzamt verraten. Handwerker können sich den Fängen entziehen, indem sie einfach keine Rechnung ausstellen. Und Auslandsreisende decken sich steuerfrei mit Tabak oder Hasch ein, um die Ware dann schwarz zu verkaufen. Man darf sich nur nicht erwischen lassen, sonst blühen drakonische Strafen. So wie dem armen Peter Graf, der verzweifelt versucht hatte, die Gagen seiner Tochter zu retten.

Schwieriger als das Verdienen von Schwarzgeld ist das Ausgeben desselben. Man kann es nicht investieren, man kann keine Aktien dafür kaufen und auch keine Immobilien. Die Schergen des Finanzamtes durchstöbern Grundbücher in ganz Europa.

Noch nicht einmal vererben kann man Schwarzgeld. Früher durfte man es wenigstens der FDP spenden. Heute kann man es im Grunde nur noch verfuttern. Oder man muß auswandern. Am besten ins Steuerparadies. Auf die Karibikinsel Curaçao etwa, wo Finanzverbrecher gern gesehen sind. Was zeigt, daß er offenbar doch ein Herz hat, der Herr Schöpfer. Für Härtefälle jedenfalls.