Das weiß doch jeder Westentaschen-Despot: Menschen, die sich nicht verbiegen lassen wollen, muß man brechen. Das weiß auch die große chinesische Kommunistische Partei. Und so macht sie sich dieser Tage wieder einmal daran, der kleinen Schar der Dissidenten in der Volksrepublik die Köpfe abzuschlagen.

Xu Wenli: 13 Jahre Haft. Wang Youcai: 11 Jahre. Qin Yongmin: 12 Jahre. Zhang Shanguang: 10 Jahre. So lauten die Terrorurteile vom Jahreswechsel. Die Verbrechen der vier? Drei von ihnen wollten eine unabhängige politische Partei registrieren lassen, die "Demokratische Partei Chinas". Der vierte wollte eine Gewerkschaft für Arbeitslose gründen. In China ist das Aufruf zum Sturz der Staatsgewalt, ersatzweise Hochverrat. Das weiß doch jeder Untertan im Reich der Mitte. Warum steckt dann immer wieder einer seinen Kopf aus der Masse der Gleichgültigen und Geschurigelten?

Weil es in China, wie zu allen Zeiten und an allen Orten, Menschen gibt, die nicht clever genug sein wollen, bei jedem Schritt die Grenze zwischen Kühnheit und Tollkühnheit zu bedenken. Die nicht einsichtig sein wollen, wenn man ihnen sagt, es sei noch zu früh für Freiheit und Demokratie. Die sich ihre Naivität bewahren wollen, es könnte den Mächtigen Ernst damit sein, wenn sie von Reform und Öffnung sprechen.

Ach, es ist ganz einfach. Es gibt immer wieder Menschen, die sich nicht verbiegen lassen wollen. Die sich deshalb, aber das begreift kein kleiner und kein großer Tyrann, auch nicht brechen lassen.