Zunächst belustigt, dann mit zunehmender Empörung habe ich den Beitrag Ihres Herrn von Kuenheim gelesen. In seinem Brief ("Lieber Freund ...) beklagt er die Schließmuskelschwäche der Berliner Hunde und die daraus folgende Verkotung der Straßen. Als erfahrene Katze kann ich ihm nur zustimmen. Zwar war ich noch nie in Berlin, aber das ist bei den heutigen Hunden auch nicht notwendig; sie koten überall, wo Katzen gehen, und das Schicksal, in Hundekot zu treten, teilt Herr von Kuenheim mit siebenzwanzig anderen Menschen (Anm. d. Übersetzers: Frau Hoffmann kann nur bis dreißig zählen. In Wirklichkeit meint sie siebenundzwanzig Millionen) in allen Teilen unseres Landes. Hunde sind überdies historisch belastet. Hitler hatte einen Lieblingshund von jener geifernden Sorte, die auf keinen Baum klettern kann, während Göring nebenbei auch Reichsjägermeister war und nie ohne seine Dackel ausging, die ihm auf der Schulter hockten. (Anm. d. Übersetzers: Frau Hoffmanns Geschichtskenntnisse verdanken sich der Gnade ihrer späten Geburt.) Insofern ist der Vorschlag des Autors, Hunde abzuschaffen, ein Gebot der Ethik und Ästhetik. Doch nun kommt der Hammer: Er schlägt einen Austausch Hunde gegen Katzen vor, und zwar nach dem Beispiel der preußischen Patrioten von einst, welche sich mit dem Bekenntnis "Gold gab ich für Eisen" als total unzurechnungsfähig zu erkennen gaben. Wer würde Kitekat gegen Spaghetti bolognese tauschen? Wer gäbe eine Maus für ein Wollknäuel? Wobei ich hinzufügen muß, daß weder Spaghetti noch ein Wollknäuel die Berliner Straßen versauen.

Aber es kommt noch schlimmer. Indem Herr v. K. Hunde als Gold, Katzen aber nur als Eisen bezeichnet, macht er sich des krudesten Rassismus schuldig. Mehr noch: Es handelt sich bei dieser zweifellos wohlüberlegten Formulierung um die Diskriminierung einer Minderheit, die nicht kuscht, wenn man ihr "Kusch!" befiehlt.

Sollte in Berlin die Zeit gekommen sein, wo man die braunen Haufen auf den Straßen benutzt, um uns Katzen zu diffamieren? Ist die scheinheilige Empörung über die Hundekacke in Wirklichkeit nur ein Anlaß, uns Katzen dem rostanfälligen Eisen zuzuordnen? Wehret den Anfängen!

Frau Hoffmann, Hauskatze (Aus dem Miau übersetzt von Wolfram Siebeck)