Die Freier standen schon Schlange. Nachdem die Großkonzerne Bertelsmann und Holtzbrinck sich immer mehr Kleinverlage einverleibt hatten, mehrten sich Gerüchte, daß sie auch um die Hand von Suhrkamp anhielten. Verständlich: Diese Grande Dame der deutschen Verlagsszene wäre in der Öffentlichkeit eine Zierde für jeden Begleiter. Doch Verlagspatriarch Siegfried Unseld, der Suhrkamp seit 1959 leitet, hat allen Umwerbungen widerstanden und dem Schweizer Mitgesellschafter Andreas Reinhart 21 Prozent der Anteile abgekauft. Aus der Portokasse ging das nicht. Unseld, der nun alleiniger Mehrheitsgesellschafter ist, hat sich deshalb vom Nomos-Verlag trennen müssen. Er möchte Suhrkamp in eine Stiftung umwandeln, was nicht nur ökonomisch von Vorteil ist, sondern auch künftige Konzern-Avancen erschwert. Suhrkamp bleibt also selbständig. Die Brautschau scheint beendet. Aber wie ja selbst überzeugte Singles wissen: Vor Affären ist auf Dauer keiner sicher.