Libidissi. Und schon rätselt man, was dieses Wort wohl bedeuten mag, wendet es von hinten nach vorn, zerlegt es in seine Silben, spricht es englisch, französisch, altrussisch und sonstwie aus und weiß am Ende doch nur, daß es vier i hat. Eins mehr als Kikeriki.

Aber Romane, das gehört eben nicht zuletzt zu ihren Stärken, haben ja nicht nur einen Titel, da kommt doch immer noch allerhand hinterher, auch hier. Und so erfahren wir denn, wenn auch erst acht Seiten vor dem Ende, daß Libidissi - nun gut, das wäre jetzt wirklich unfair.

Im übrigen ist das nicht das einzige, was man nicht gewußt hätte. Oder kennen Sie etwa das Volk der Egichäer? Nein? Ist auch nur eine Minderheit. Die Seuschenen? Auch nicht? Wär ja noch schöner. Die Kyrenäer?

Wie auch immer: wir sind da offensichtlich nicht zu Hause. Und da, das ist irgendwo zwischen Tanger und Beirut, Tripolis und Bagdad. Vor neun Jahren - aber neun Jahre vor welchem Datum? - war die Revolution des Großen Gahis, und seither durchquert man dort das Große Tor Der Prophezeiung, fährt den Boulevard Der Pressefreiheit entlang oder blickt hinüber zum Goto, jenem Stadtviertel, das zu betreten den Ausländern verboten ist. Aber außer ihren letzten Hoffnungen und die Aussicht auf bessere Tage haben die Ausländer dort sowieso nichts verloren.

Und das gilt natürlich nicht zuletzt für den Vertreter des deutschen Geheimdienstes, Spaik, den sogenannten Helden dieses Romans. Auch er ist einer von den Gestrandeten, aber er hat sich eingerichtet in seiner Verkommenheit, und als seine beiden jungen Nachfolger eintreffen, um ihn aufzustöbern und zu liquidieren, wissen wir natürlich sofort, wem unsere Sympathie gehört.

Im übrigen ist das nicht das einzige, was man gewußt hätte. Im Gegenteil: Wer sich in Agentenstories auch nur einigermaßen auskennt, dem ist hier vieles vertraut und kaum etwas noch nie begegnet. So gehört es sich ja auch bei Genreromanen. Die Mischung aber, in der uns Georg Klein - endlich ist Gelegenheit, den Namen des Autors zu nennen - die alten Topoi und die neuen Tricks serviert, ist bravourös.

Wie formuliert es Burkhard Spinnen so unvergleichlich auf dem Buchumschlag? "Wenn Adalbert Stifter und John le Carré zusammen einen Agentenroman geschrieben hätten, dann ..." und so weiter. Und eigentlich wollte er ja sagen, und hätte es damit noch besser getroffen: "Wenn ein Pantoffel und eine Platzpatrone zusammen ..." Natürlich hat auch jener Prager Versicherungsangestellte seine Finger im Spiel, dessen Namen man hier unbedingt vermeiden sollte, vor allem aber eben Georg Klein, dessen Namen man hier unbedingt gleich noch einmal nennen muß, er kann's nämlich wirklich.