Unter dem Christbaum sind wir ins Träumen gekommen. Wie alle Jahre wieder. Während der Schneeregen an die Fenster klatschte, flogen wir im Geiste schon mal aus: nach Spanien und nach Sardinien, nach Florida und in die Karibik. Und kamen ins Grübeln beim Blättern in den bunten Heften. Einfach verreisen. Wie langweilig. Ein bißchen mehr muß schon drin sein. Ein kleines Goodie, Cookie, Extra.

Nun gut, in einer vollbesetzten Britannia-Maschine kann nicht jeder Pax dem Captain im Cockpit auflauern, wann käme der arme Mann da zum Fliegen. Aber bei unseren Reiseträumereien finden wir sofort eine Reihe mehrwertiger Posten: Wenn wieder mal die Eincheckzeit seit einer halben Stunde verstrichen ist, läßt man uns nicht nervös, bang und dumm am Gate rumstehen. Mit klaren Worten tut man uns die Lage kund: daß eine Zigarette mindestens noch drin ist. Nicht auszudenken, wie glücklich wir wären, wenn man uns dann noch ein Glas Sekt hinstellte, unsere Dankbarkeit stiege ins Grenzenlose. Gerade daß wir nicht der Linie hörig würden.

Oder nehmen wir die Sache mit den Super-Saver-Billigflügen. Woche für Woche studieren wir gewissenhaft die gewaltigen Anzeigen, voll Vorfreude fangen wir an zu planen. Heute München zu 158, morgen Miami zu 499 Mark. Indes, wenn wir zum Hörer greifen, ist die Affäre mindestens 50 bis 200 Mark teurer geworden. Einmal nur solch ein Schnäppchen ergattern, und wir würden der Gesellschaft ewige Treue schwören. Was für ein Mehrwert auch für die Airline.

Die Reiseveranstalter hätten ebenfalls eine reelle Chance, uns mit ein paar klitzekleinen Extras als anhängliche Kunden zu ködern. Ja, ja, wir wissen: Last minute, all inclusive und so. Wir sind da viel bescheidener. Uns würde es schon genügen, einmal zu dem Preis zu verreisen, der so lockend fett und farbig im Katalog gleich unter der Beschreibung prangt. Einmal zwei Wochen zum Ein-Wochen-Preis, fünf Sterne zum Spartermin, Green fees inklusive und Liegen am Pool ohne Handgreiflichkeiten garantiert.

Das allerhöchste der Gefühle in puncto Mehrwert wäre allerdings, ein einziges Mal nur das Wunder des Upgrading zu erleben.

Wir haben einen Billigflug ergattert und warten geduldig wie Schlachtvieh am Schalter. Da wendet sich eine charmante Dame an uns: Die Maschine sei zwar überbucht, aber uns würde sie gerne in die Business class bitten. Und im Hotel dann: Ergeben der Dinge harrend, haben wir uns ganz hinten in die Schlange eingereiht. Da ein kurzer Wink. Das Haus sei bedauerlicherweise voll, eine Suite jedoch noch frei - für uns.

Aber das sind wohl Mehrwertsträumereien, die nicht einmal zum Ende eines Jahrtausends in Erfüllung gehen werden. Im wirklichen Leben bleibt alles beim alten, und wir sind schon froh, wenn wir wieder mal den Urlaub heil überstanden haben.