Dschungel, Gemischtwarenladen, Dornengestrüpp - Bilder, die beim Thema Weiterbildung bemüht werden. Wer ein Qualifizierungsziel hat, so erleben es viele, muß sich durchkämpfen, muß Blessuren einkalkulieren und darf sich von der kaum überschaubaren Fülle des Angebots nicht ablenken lassen. Was für einen Nutzen eine Zusatzqualifizierung am Ende hat, ist für die Teilnehmer und die Betriebe oft unklar.

Eine Unordnung ohne Charme; denn viele Unternehmen sehen die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter als strategischen Faktor, und für Arbeitnehmer und Arbeitslose geht es um den Erhalt der sogenannten lifelong employability, also ihrer Fähigkeit, bis zur Rente immer wieder Arbeit zu finden. Tarifpartner und Gesetzgeber wollen in diesem Jahr deshalb ein paar Schneisen durchs Gestrüpp schlagen.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind gleichermaßen daran interessiert, daß die Abschlüsse bewertbar und vergleichbar werden. Das Thema gewinnt an Bedeutung; nicht nur der Gesetzgeber in Bonn, sondern auch Regierung und Tarifparteien werden sich damit beim Bündnis für Arbeit beschäftigen müssen. Denn voraussichtlich ab 1. April 1999 verliert bei Entlassungen der "goldene Handschlag" an Attraktivität: Die Abfindungszahlung wird dann mit der Arbeitslosenunterstützung verrechnet und außerdem höher besteuert. Das wird das Konzept beflügeln, Sozialpläne beschäftigungswirksam zu nutzen und so Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Das heißt, daß Beschäftigte bei Kündigung zwar weniger Cash, dafür aber eine vom alten Arbeitgeber mitfinanzierte Qualifizierung erhalten, um leichter eine Anschlußbeschäftigung zu finden.

Solche von der Bundesanstalt für Arbeit bezuschußten Sozialplanmaßnahmen sieht das Sozialgesetzbuch bereits seit einem Jahr vor. Abgerufen wurden aber erst wenige Mittel. Das liegt am geringen Bekanntheitsgrad der Maßnahme, sagen Arbeitsmarktexperten, mehr noch aber an den Schwierigkeiten, vor denen Betriebsräte stehen, wenn sie bei ihren Kollegen fürs Lernen werben, obwohl der Rausschmiß droht. Viele verunsichert die Forderung nach lebenslanger Weiterbildung, vor allem dann, wenn sie als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit oder als Schutz vor Jobverlust daherkommt. Denn eine Garantie dafür, daß ständiges Am-Ball-Bleiben Lohn und Brot sichert, gibt es nicht.

Kurzzeitlehrgänge erhöhen die Chancen auf den Wiedereinstieg

Noch stehen die Berufsbildungs- und Arbeitsmarktforscher mit ihren Bemühungen erst am Anfang, Methoden und Verfahren zu entwickeln, mit deren Hilfe verläßliche Aussagen über die Wirkung von Qualifizierungsmaßnahmen gemacht werden können. Der Arbeitsmarktforscher Reinhard Hujer von der Universität Frankfurt beispielsweise hat herausgefunden, daß bei Arbeitslosen die Chancen des beruflichen Wiedereinstiegs insbesondere durch Anpassungsqualifizierungen steigen, die nicht länger als ein halbes Jahr dauern. Umstritten ist unter Fachleuten, die sich kürzlich in Gelsenkirchen zu einer Tagung trafen, ob dieser Befund bedeutet, daß längere Maßnahmen grundsätzlich weniger wirksam sind, oder ob jeweils die beruflichen Vorkenntnisse der Arbeitslosen eine wichtige Rolle spielen. Bei künftigen Untersuchungen müßte deshalb die Frage kontrolliert werden, ob an mehrmonatigen Lehrgängen eher leistungsschwache Menschen teilnehmen, die ohnedies geringe Arbeitsmarktchancen haben. Konkrete Daten über betriebliche Weiterbildung sind widersprüchlich.

Unternehmen bevorzugen betriebsinterne Fortbildungen