Es hieß, der Professor sei untergetaucht. War nicht aufzufinden, für niemanden, nirgends. Es hieß, der Professor könne sich nicht mehr retten, mit so einem Medienrummel habe er nicht gerechnet.

Warum auch? Eckhard Wolf, Lehrstuhlinhaber für Molekulare Tierzucht und Haustiergenetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, hat schließlich nichts anderes getan als einige seiner Kollegen vor ihm: einen Klon erzeugt. Ein Kalb ist es, das erste Klonkalb einer erwachsenen, wenn auch zwischenzeitlich verblichenen Mutterkuh im deutschsprachigen Raum, deshalb ist es vielleicht doch ein bißchen etwas Besonderes.

Ein ganz normales Fleckviehkalb. Mit einem Geburtsgewicht von etwas über 40 Kilo kam Uschi am 23. Dezember um 19 Uhr auf die Welt; die Leihmutter, ein Fleckvieh mit der Nummer 367, fraß bis eine halbe Stunde vor der Geburt, und kaum hatte sie Uschi, das Klonkalb, nach der Geburt trockengeleckt, fraß sie wieder. Völlig komplikationslos. Alles ganz normal - außer vielleicht, daß Kuh 367, wie die Tierärzte Wolfgang Schernthaner und Hendrik Wenigerkind sagen, "ein Einzelzimmer mit Chefarztbehandlung" genoß. Und Uschi an einem geheimgehaltenen Ort lebt.

Geklont haben die Wissenschaftler, wie Eckhard Wolf sagt, nach dem "Dolly-Prinzip". Valeri Zakhartchenko hat die isolierte Euterzelle, "die Kernspenderzelle", in eine unbefruchtete Eizelle transferiert. Aus dieser "Kernempfängerzelle" hatte man vorher das Erbgut entfernt, die Eizelle gewissermaßen entkernt.

Die Effizienz der Münchner Wissenschaftler, die Eckhard Wolf auf Nuancen von technischen Veränderungen zurückführt, ist erstaunlich hoch. Von 147 Zellen, die jeweils in eine entkernte Eizelle injiziert wurden, hat die Fusion bei 93 Zellen geklappt, das sind 63 Prozent. Davon blieben am Ende des Verfahrens 32 identische Embryonen, und zwar im sogenannten Blastozyten-Stadium. Ein Erfolg von 33 Prozent. Je zwei dieser Embryonen pflanzten die Tierärzte zwei Leihmutterkühen ein, beide wurden trächtig. Leihmutter eins hatte nach fünf Monaten einen Abort, Kuh Nummer 367 gebar.

Uschi sollte endlich beweisen, daß Dolly keine Ente war

Eckhard Wolfs "Pilotexperiment" ist geglückt. Erstmals haben nun auch deutsche Wissenschaftler bewiesen, daß das von schottischen Forschern hergestellte Klonschaf Dolly keine Ente war. Einige Experten hatten damals erhebliche Zweifel, daß es möglich sei, aus einer Körperzelle einen Klon heranwachsen zu lassen.