Zeit für ein offenes Wort, liebe Schwestern. Bald ist es aus mit dem Jahrtausend. In einem Jahr drehen die Uhren der Welt auf 2000, und dann ist Zukunft angesagt. Die könnte so bitter werden wie die Gegenwart, zumindest für alle, die in ihrem kleinen Leben einmal von der Gleichberechtigung der Geschlechter träumten.

Wahr ist: Zu Beginn des neuen Zeitalters gibt es in der ganzen Welt nicht einen Ort, an dem Frauen auch nur annähernd die gleichen Lebenschancen hätten wie Männer. Auswandern lohnt also nicht. Wahrscheinlich ist: Wir werden eine Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht mehr erleben. Die Töchter? Die sich schon so super gleichberechtigt fühlen? Auch die werden wohl dahingehen, ohne daß sich etwas Grundlegendes verändert hat.

Die beiden Frauen sind Mitarbeiterinnen des Global Business Network in Kalifornien, das darauf spezialisiert ist, für private und staatliche Arbeitgeber Absatzmärkte oder furchterregende Bevölkerungsentwicklungskurven am Computer hoch- und runterzuziehen. Die beiden wollten wissen, was sich für Frauen verändern könnte, wenn die Welt sich verändert. "Szenarien für das 21. Jahrhundert" heißt ihr Arbeits- und Untertitel. Sie präsentieren die Ergebnisse einer weltweiten Online-Konferenz, Unerhörtes kam da heraus.

Die Frauenbewegung unterliegt ja, wie die Moderne, gewissen Denkritualen, um nicht zu sagen Denkverboten. Unter anderem dem Zwang, jede kleinste Bewegung für einen Fortschritt zu halten. Eine erste Frau im Bundesverfassungsgericht? Na das wird doch schon! Eine Alleinerziehende bewirbt sich für das Amt einer Bischöfin? Mensch, das klappt vielleicht! VW startet ein Förderprogramm für Frauen im Management? Junge, prima! Die Autorinnen demaskieren solchen Optimismus als Landeanflugssyndrom.

Der kleinste Geländegewinn gilt schon als Sieg

Das Gleich-sind-wir-da-Gefühl, schreiben sie, beneble den Geist und verhindere eine Auseinandersetzung mit den Fakten. Da werde jeder Geländegewinn als Strukturwandel verkauft. "Die Wirklichkeit sieht anders aus. Sollten sich die Veränderungen im gleichen Tempo wie in den letzten zwanzig Jahren vollziehen, wäre es 2270, bis zu erwarten stünde, daß Männer und Frauen zu gleichen Teilen Spitzenpositionen in der Wirtschaft besetzten."

Schlimmer noch: Die schönen Träume ziehen die Möglichkeit einer Bauchlandung gar nicht in Betracht. Gar nicht bemerkt, was Tony Blair nach seinem Sieg über die Konservativen als erstes machte? Er beschnitt die Rechte alleinerziehender Mütter. Wohin so etwas führt? Die Autorinnen malen es uns aus.