Europa hat sich nun auf eine der ehrgeizigsten Unternehmungen seiner Geschichte eingelassen, die Schaffung des Euro als einheitliche Währung. Der Euro tritt als machtvolles Symbol der europäischen Identität in Erscheinung. Er schafft neue Rahmenbedingungen für Stabilität und Zusammenarbeit in Europa. Er verschafft uns neue Möglichkeiten, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zu fördern, den Herausforderungen der Globalisierung zu begegnen und zur finanziellen Stabilität und Entwicklung in der Welt beizutragen.

Wir betrachten den Euro jedoch nicht als ein Geschenk des Himmels. Wir wissen, daß wir diese Früchte nur ernten werden, wenn wir in der Lage sind, dieses neue politische Werkzeug voll zu nutzen. Dies bedeutet, daß wir unsere Hausaufgaben auf nationaler Ebene erledigen müssen, daß wir die Qualität der europäischen Koordination verbessern müssen und daß Europa die mit einer Weltwährung verbundenen neuen Verantwortlichkeiten übernehmen muß. All dies ist möglich geworden, weil unsere Volkswirtschaften sich im Vorfeld der Europäischen Währungsunion in einem nie dagewesenen Maß in Richtung niedriger stabiler Preise und soliderer öffentlicher Finanzen einander angenähert haben. Dieser Erfolg sollte uns nicht zur Selbstgefälligkeit verleiten, wir sollten vielmehr darauf aufbauen, um den vor uns liegenden Herausforderungen zu begegnen.

Mit 18 Millionen Arbeitsuchenden in Europa ist die Arbeitslosigkeit eine Geißel, deren Ausrottung alle unsere Anstrengungen erfordert. Ihr muß auf vier Ebenen begegnet werden:

- auf Unternehmensebene durch einen beschäftigungsorientierten Dialog zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern;

- auf nationaler Ebene durch eine Politik, die bessere Anreize für die Schaffung von Arbeitsplätzen durch die Unternehmen bietet, die das aktive Bemühen der Arbeitnehmer um einen Arbeitsplatz und um Fortbildung fördert und die Voraussetzungen für eine Erhöhung des Beschäftigungsanteils am Wachstum schafft;

- auf europäischer Ebene durch die Schaffung eines wachstumsorientierten makroökonomischen Umfelds und durch bestmögliche Umsetzung der beschäftigungspolitischen Leitlinien;

- auf internationaler Ebene, indem wir, auf die Einführung des Euro aufbauend, zusammen mit unseren G-7-Partnern die Weltwirtschaft bei nachteiligen Schockeinwirkungen stabilisieren.