Prognosen sind Glückssache. Versuchen wir also unser Glück am Beispiel deutscher Verlage. Was kann, was wird ihnen das Jahr 1999 bringen? Zum Beispiel dem Bertelsmann-Verlag: Wie wird es ihm dieses Jahr ergehen? Nicht mehr ganz so gut wie gewohnt. Für den Medien-Multi wird es schwerer, den hohen und versprochenen Gewinn von 15 Prozent im operativen Geschäft zu halten. Und alle werden sagen: Ein Middelhoff macht eben noch keinen Wössner. Nur: Der Nachfolger kann am wenigsten dafür. Buch- und Clubgeschäft gehen nicht besser, die Medienkonkurrenz wird nicht schwächer und das Auslandsgeschäft nicht profitabler. Lediglich auf die Tochter Gruner + Jahr, die cash-cow, ist Verlaß.

Wirklich? Das cash- Kalb von G + J ist der stern, und das hat erst einmal mit seiner neuen Führung zu tun. Das kostet Zeit und Geld. Meine Prognose: Es wird weniger, aber bessere stern- Käufer geben, denn der neue Chef, Michael Maier, Jurist und Organist, strebt nach Höherem. Aus der Berliner Zeitung hat er ein im Westen angesehenes, im Osten schwer vermittelbares Blatt gemacht. Trotzdem: Wenn G + J-Chef Schulte-Hillen am 1. Oktober 2000 das Haus verläßt, wird er es gut bestellt hinterlassen.

Und Springer? Hier fällt die Prognose leicht: Der hin und wieder amtierende Vorsitzende Gus Fischer wird nicht mehr lange seines Amtes walten. Ein Nachfolger wird gesucht werden, auch außerhalb des Hauses. Aber - bange Frage - was passiert mit der Welt? Nichts. Der Jungchefredakteur Mathias Döpfner gibt zwar sein Bestes, aber Auflage und Verluste werden in gewohnter Höhe bleiben. Und dort wird Döpfner sich zum Jahresende in guter Gesellschaft mit der Berliner Konkurrenz befinden.

Und wohin geht Kirchs Springer-Paket (35 Prozent)? Geht da überhaupt noch was in diesem Jahr? Wird Friede Springer dem Drängen der Kirch-Gläubigerin (Deutsche Bank) nachgeben und das notwendige Plazet zum Verkauf der vinkulierten Aktien geben? Selbst Kassandra bleibt bei Friede besser stumm.

Noch eine Nachlese aus dem Kaffeesatz. Ob der Jahreszeiten-Verlag sich eher von der Woche oder doch lieber von seinen Zeitschriften trennen mag, darüber denkt Kassandra noch nach. Einfach in Richtung Delphi ist da die Frage, ob der wendige Verleger Dirk Manthey aus Hamburg (Max, Fit for Fun, TV-Spielfilm) noch etwas aus seinem Besitz abgeben wird. Burda, Rizzoli, G + J haben sich ja schon in seinen Kreativ-Schuppen eingekauft. Warum nicht noch andere?

Zum Schluß noch zwei nicht sehr riskante Personalprognosen: Auch in diesem Jahr wird es dem Süddeutschen Verlag gelingen, keinen Nachfolger für Geschäftsführer Gohlke zu finden. Ebensowenig wird der ewig junge Günther Grotkamp, 70, Ko-Boß der Essener WAZ-Gruppe, den von seinen Inhabern dringend erwünschten Nachfolger benennen. Also: 99 bei der Süddeutschen und im Westdeutschen nichts Neues.

Und was tut sich bei der FAZ? Ohnehin nichts Neues.