Eray Korkmaz hat sich aufgemacht, die Türkei mit deutscher Sauberkeit und Gründlichkeit zu beglücken. Kürzlich erhielt der 37jährige Mitinhaber einer Hamburger Recyclingfirma den Auftrag für Müllabfuhr in der Stadt Antalya - gegen starke Konkurrenz. Als erstes kaufte er seinen Müllwerkern orange Kluft und Arbeitsschuhe mit Stahlkappen, alles nach deutscher Vorschrift.

Warum seine Firma den Auftrag habe, wollte er wissen. "Ich habe dir in die Augen geschaut und gesehen, daß du unser Land liebst", antwortete der Bürgermeister. "Aber du bist eben auch Deutscher." Wegen der Gründlichkeit.

Würden sich in seiner Firma ein Deutscher und ein Türke um einen Job bewerben - er nähme den Besseren. Daß Ausländer auf dem Arbeitsmarkt oft benachteiligt werden, ist für ihn kein Grund, einen Türken vorzuziehen. Nur beim Fußball gibt es einen Loyalitätskonflikt. Stets hält Korkmaz zu den Deutschen. Außer wenn sie gegen ein türkisches Team spielen.

In Sachen Militärdienst hat Korkmaz sich für eine zeitsparende Variante entschieden. Im April wird er in der Türkei vier Wochen Rekrut spielen. Von den "restlichen" 20 Monaten der Armeezeit hat er sich für 10 000 Mark freigekauft. So weit, daß er seine Firma vernachlässigen würde, geht sein türkischer Patriotismus nun auch wieder nicht.

Eray Korkmaz wollte Deutscher werden, ohne seinen türkischen Paß abzugeben, obwohl das die deutschen Gesetze noch nicht vorsehen. Irgendwie hat es geklappt. Ob er denn mit dem Innenminister befreundet sei, fragte man ihn, als er die Einbürgerungsurkunde erhielt und trotzdem Türke bleiben durfte.

Eray Korkmaz kennt Landsleute, die weniger Glück hatten und schweren Herzens Nur-Deutsche wurden. Sein Bruder hat geweint, als er seinen türkischen Paß abgeben mußte. Jetzt sagen dessen frühere Landsleute: "Den Halbmond mit Stern, der uns so stolz gemacht hat, den hast du einfach abgegeben."

Für das Hin und Her, den ewigen "Zwiespalt der Menschen" hat Do*gan Izbirak viel Verständnis. Von sich selbst allerdings verlangt er klare Bekenntnisse. Fünf Jahre lang hatte der Hamburger Arzt aus Istanbul einen deutschen und einen türkischen Paß. Als das türkische Dokument 1991 ablief, hat er es einfach nicht verlängert. "Was sollte ich noch damit?" sagt der 49jährige Internist. "Es bedeutete mir nichts mehr. Ich lebe nicht in einem Hotel, ich bin in Deutschland seit langem zu Hause." Halbherzigkeit paßt nicht in Do*gan Izbiraks Selbstbild.