No risk, no fun. Insofern schien der Ätna die richtige Wahl. Auch für einen Boarder wie Dieter Moherndl bot Siziliens Berg so etwas wie den ultimativen Freeride-Kick. Eis und tief darunter glühende Lava - auf den letzten Metern zum Rand des brodelnden Kraters in knapp 3400 Meter Höhe verflüssigte sich der Schnee unter jedem Schritt der Snowboardboots. "Das Besondere war, der Boden bebte, und der Schnee schmolz von unten", erinnert sich Moherndl noch heute mit Behagen an diesen Tag im Februar 1998.

Kein Risiko, kein Spaß. Lange hielt sich Moherndl nicht damit auf, ins Innere des Kraters zu blicken. Riding the vulcano! 1800 Höhenmeter jungfräulichen Firns warteten darauf, genommen zu werden, "herrlich kompromißlos", wie es in der Sprache der Snowboarder heißt. Zeit für großes Gefühl: Bis zu zwanzig Meter weit die Sprünge, die Schneewächten links und rechts boten Gelegenheit für jene Airs und Turns, die Dieter Mohrhendl so perfekt beherrscht.

Über viele Jahre galten die Vertreter mit dem einen Brett als die anarchische Avantgarde im alpinen Treiben, von den Anhängern des herkömmlichen Skilaufs mißtrauisch beäugt. Die Welten stießen hart aneinander: Hier die Schar der Freibeuter, dort die Massen der Biedermänner. Seit' an Seit' zogen sie bergwärts, wobei der gemeinsame Fluch stets darin bestand, sich anschließend bei der Abfahrt immer wieder verläßlich in die Quere zu kommen.

Nicht immer gingen solche Begegnungen glimpflich ab. Vor gut einer Woche meldete dpa den Tod einer Snowboarderin im Tiroler Stubaital. Ein 22 Jahre alter Skiläufer war nach Angaben der Polizei über eine unübersichtliche Geländekuppe gesprungen und dabei in die am Pistenrand sitzende Snowboarderin gerast. Die Frau starb noch an der Unfallstelle, der Skiläufer blieb unverletzt. Wie es hieß, wurde der Mann wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, ein Haftbefehl sei "in solchen Fällen" nicht üblich, zitierte die Presseagentur die österreichische Gendarmerie.

Wildwest in den Bergen? Man könnte es meinen. Doch trotz mancher Unfälle - glaubt man den Beobachtern in den Pistenhäuschen, der Tal- und Bergstationen - bestimmt mittlerweile Normalität die Beziehungen zwischen Skiläufern und Snowboardern. Und dies nicht nur deshalb, weil der Absatz der Einzelbretter inzwischen stagniert.

Ortstermin in Tirol: Fieberbrunn, eine Stadt mit 4000 Einwohnern und 3800 Gästebetten, im Schatten von Kitzbühel gelegen. Oben führen die Lifte auf gut 2000 Meter hinauf, unten im Tal umwirbt die Skischule Rosenegg den Snowboarder von morgen. "Es ist kein Zufall", heißt es auf einem Faltblatt, "daß der physikalische Schwerpunkt des menschlichen Körpers exakt dort liegt, wo sich unsere irrsten Gefühle zum Solar Plexus bündeln."

Solche Worte mögen zur Ansprache eines jüngeren Publikums noch immer geignet erscheinen, die Verhältnisse auf den Pisten spiegeln sie kaum wider. Statt orgiastischer Suche nach dem ultimativen Kick rutscht die Abteilung der Snowboarder friedlich die Hänge hinab, im Schlepplift - traditionell ihre schwache Disziplin - erweisen sich die Skiläufer als Partner, sorgen für die nötige Balance.