Und nun zum Wetter. Der Winter dieses Jahr - ziemlich kalt. Mai beginnt schön, doch in den letzten Tagen starker Reif. Dauert bis in den Juni. Der August wird ungestüm, danach hell und still. Im Herbst frühzeitig Nachtfrost. So weit die Vorschau im Hundertjährigen Kalender, aufgezeichnet durch Mauritius Knauer, herausgegeben anno 1721. Mit anderen Worten: unhaltbarer Quatsch.

Zu Pater Knauers Zeiten war die Wetterprognose keine Wissenschaft, sondern ein Kind der Astrologie. Sieben Planeten kannte man damals; ergo glaubte der Zisterziensermönch, daß sieben Jahre Beobachtung ausreichten, die Gesetzmäßigkeiten des Wettergeschehens ein für allemal festzuhalten. Ein Irrtum wie so viele.

Das ist heute anders. Die Menschheit rückt zusammen, auch beim Wetter. Wetterbeobachtung stützt sich heute auf Tausende von Bodenstationen und Wetterballons, auf Radar, Flugzeuge, Schiffe, Bojen, Satelliten. Milliarden von Daten werden weltweit gesammelt und durch die leistungsstärksten Maschinen gejagt. Trotzdem müssen Meteorologen mit der Unsicherheit leben; der Hochseeregatta von Sydney nach Hobart sagten sie Anfang des Jahres zwar Sturm voraus, doch die Warnung, daß er Orkanstärke erreichen würde, kam für die Segler zu spät.

Gern legen sich die Wetterfrösche nicht fest. Schon gar nicht für längere Zeit. Wer es dennoch tut, den bestraft das Leben. Wie Wolfgang Röder von der Freien Universität Berlin. Der weissagte im Herbst 1997, ab Weihnachten werde es bitter kalt. Ein Eiswinter mit zweistelligen Minustemperaturen stünde ins Haus. Was passierte? Anfang Januar blühte an der hessischen Bergstraße die Haselnuß, auf der Zugspitze wurden sechs Grad plus gemessen, und in Polen fanden übellaunige Bären nicht mehr in ihren Winterschlaf. Gleichzeitig fielen in Tokyo 30 Zentimeter Neuschnee, und Kanada erlebte den ärgsten Eisregen seit Menschengedenken.

Das Wetter, wie es in solchen Fällen gern heißt, "spielte wieder mal verrückt". Das tut es eigentlich ständig. Deshalb ist die Frage, warum überhaupt Klima existiert, auch so schwer zu beantworten. Denn in Wahrheit ist nicht einmal das Klima konstant; es schwankt vielmehr von einer Eiszeit zur nächsten. Klimaforscher rechnen in Dekaden, Jahrhunderten oder Jahrtausenden. Meteorologen sind schon froh, wenn sie die nächsten 72 Stunden überblicken. Da, wo sich Wetter und Klima begegnen, klafft ein schwarzes Loch. Bei der saisonalen Vorhersage zuckten die Experten bislang mit den Schultern.

Die Grenze für Vorhersagen liegt bisher bei 20 Tagen

Dafür gibt es gute Gründe. Je mehr Daten weltweit gesammelt werden, desto schwieriger wird ihre Verarbeitung. Es ist wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel - am Ende arbeitet selbst der modernste Supercomputer am Rande seiner Fähigkeiten. Immerhin: Dreitagevorhersagen sind heute so zuverlässig wie Tagesvorhersagen Anfang der sechziger Jahre. Fünftagevorhersagen bewegen sich auf dem gleichen Niveau wie Dreitagevorhersagen in den Siebzigern. Der amerikanische National Weather Service bietet Wochenprognosen an und schreckt auch vor zweiwöchigen Ausblicken nicht zurück.