Inger Christensen: Das Schmetterlingstal; ein Requiem; zweisprachige Ausgabe; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1998; 52 S., 18,80 DM Ihre Gedichte hat Inger Christensen einmal mit geometrisch geformten Bienenwaben verglichen. Mit ihnen sucht sie nach der inneren Verwandtschaft des Natürlichen und des Ästhetischen. Jüngst entdeckte sie dabei den klassischen Sonettenkranz neu und schrieb ihr erstaunliches Requiem über Schwärmer, Spinner und Spanner: "Als Pfauenauge flattern sie umher, / ich glaube, im Garten des Paradieses zu wandeln / während der Garten in Nichts versinkt / und die Worte, die früher zu buchstabieren waren, / sich in falsche Augenflecken auflösen."

Maxim Biller: Harlem Holocaust, mit einem Nachwort von Gustav Seibt; Kiepenheuer & Witsch, Köln 1998; 69 S., 12,90 DM Freilich übertreibt Gustav Seibt, wenn er in seinem Nachwort schreibt, daß heute kein deutschsprachiger Autor das Genre der Short Story so gut beherrsche wie Biller. Doch über Biller läßt sich streiten, gerade das ist seine Stärke. Acht Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung kann seine Erzählung über ein jüdisches Schriftstellermonster als anregender Beitrag zur Walser-Bubis-Debatte gelesen werden. Flüssig vorgetragen und voller Überraschungen.