Zweiter Befreiungsschlag von Leo Kirch. Vor einer Woche hatte der Münchner Filmhändler die Neustrukturierung seines verworrenen Firmenkonglomerats bekanntgegeben, um sein mit hohen Verbindlichkeiten belastetes Imperium für den Einstieg finanzstarker Partner zu rüsten. Jetzt konnte Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn verkünden: "Wir haben keine Decoder-Altlasten mehr." Weil Kirch den Markterfolg des digitalen Fernsehens völlig falsch einschätzte, hatte der Fernsehpionier versucht, mit seinem Sender DF 1 ein Monopol zu installieren. Beim finnischen Hersteller Nokia orderte er gleich eine Million Decoder, die die digitalen Signale erst auf den Bildschirm bringen. Doch das Geschäft lief einfach nicht. Inzwischen wurden immerhin rund 700 000 Decoder von Premiere und DF 1 geleast, der Rest steht im Handel. Deshalb darf es nun auch Wettbewerb bei den Geräten geben: Zunächst wird Philips die d-box in Lizenz produzieren. Und nun hat Kirch endlich auch seine Box für Konkurrenten geöffnet. Besonders hofft er dabei auf ARD und ZDF, die ihren Programmführer bisher nicht wunschgemäß darstellen konnten. Ob dann das Digital-TV ins Laufen kommt, steht allerdings dahin. Das größte Hindernis hierzulande, die rund 30 frei empfangbaren Programme, gibt es schließlich immer noch.