THIMAR

Drei Künstler, drei Instrumente im unverstellten Miteinander - "Thimar" ist genau das richtige für einen Moment der Stille am Beginn des Jahres. John Surman macht den Anfang mit seinem Sopransaxophon, fängt den Wind ein, bis er sich in seinem Instrument zu Melodien kräuselt. In der Tiefe gibt der Kontrabaß von Dave Holland Halt, läßt sich dann zwei Minuten Zeit, um ganz in Ruhe am Ohr des Zuhörers vorstellig zu werden. Und dann das Lautenspiel von Anouar Brahem: so verhalten, so überraschend stark im Ausdruck.

Mit einer Gelassenheit, wie sie manchmal den Schachspielern in den Parks großer Städte innewohnt, entwickeln die drei einen westöstlichen Reigen aus neun Kompositionen von Brahem und je einer von Surman und Holland - den sie in Oslo aufnahmen.

Sie spielen Töne von merkwürdiger Intensität, nie grell oder übertrieben laut, eher spröde und leise. Im Innern der Oud, der arabischen Laute, scheint sich ein Herz zu befinden; fast spricht sie zu ihren Zuhörern. Anouar Brahem, geboren 1957 in der Altstadt von Tunis, gilt als einer der fähigsten Musiker unserer Zeit auf diesem Instrument. Mit zehn Jahren begann er zu spielen, studierte später klassische arabische Musik. Dabei gelang es ihm, die Rolle des traditionellen Begleitinstruments hin zu einem individuellen solistischen Ausdruck zu verändern.

In den achtziger Jahren arbeitete Anouar Brahem in Paris mit dem Choreographen Maurice Béjart, in den Neunzigern unter anderem mit skandinavischen und französischen Musikern. In Tunesien komponierte er Musik für verschiedene Ensembles, außerdem für Film und Theater.

Sein Werkzeug, die Oud, glänzt nicht durch Schönheit im Saitenklang, sondern dadurch, wie nuanciert sie, meisterlich bedient, den Gefühlen des Künstlers Ausdruck verschafft. Selbst im Dramatischen wirkt sie noch zurückgenommen, als behalte sie etwas in der Hinterhand, das nur im Kopf der Zuhörer preisgegeben werden kann.

Mit den Briten Dave Holland, Kontrabaß, und John Surman, Sopransaxophon und Baßklarinette, hat Anouar Brahem Musiker gefunden, die mit ihm aus kunstvoll Komponiertem, schlichten Melodien und virtuosen Improvisationen ein lebendiges Ganzes machen. Hollands arabisch inspirierte Figuren lassen Platz für individuelles Spiel, Surman schafft Weite, von Brahem durchkomponierte Passagen führen immer wieder auf das Gemeinsame zurück.