Millionen Zugvögel, besagt eine Meldung der vergangenen Woche, scheuen die weite Reise in den Süden. Auch im Himmel ist der Platz knapp und das Boot irgendwann voll, und da ist es eigentlich logisch, daß im europäischen Spatzenparlament entschieden wurde: Wenn täglich die Luftbusse von Stockholm und Frankfurt Richtung Mallorca gehen, nimmt unsereiner die Kurzstrecke. Die Winter werden, warum auch immer, außerdem immer milder. (Man wird noch eine Erklärung suchen, wenn in Oslo die Menschen in der Badehose zur Christmette gehen. Warum auch den Flugverkehr einschränken, wenn es doch vielleicht Kuhwinde sind? Wenn aber der Fleischverbrauch entscheidend ist, dann muß man nur auf die Ausbreitung des Rinderwahns warten. Und bis dahin gibt es sicher einen neuen Einfall!) Der bevorzugte Aufenthaltsort ist die Schweiz geworden: gute Luft, anregende Landschaft, gesundes Klima, ausgezeichnete Küche, freundliche Menschen, verläßliche Umgangsformen, Mehrsprachigkeit, Rechtssicherheit. Für Stare, Hausrotschwänze, Distelfinken, Ringeltauben und Feldlerchen ist gerade letzteres eine feine Sache: In der Schweiz gibt es schon seit zehn Jahren die doppelte Staatsbürgerschaft. Eine schwedische Finkenfamilie, ein Ringeltäubchen aus London, ein Feldlerchenvater aus Magdeburg sind da gut aufgehoben und dürften sich willkommen fühlen. Bestimmt sind auch Terroristen darunter: Geierschnäbel und Aassuchende, tückische Habichtcharaktere und miese Propagandapapageien, schmarotzende Kuckucksvögel und dämonische Falkenherzen. So ein Import größeren Ausmaßes ist niemals ganz zu kontrollieren. Aber der Schweizer lebt damit, mehr noch: Er füttert die Tierchen gelegentlich, hört ihren Gesang mit Freude und läßt für ihre Nester Bäume wachsen. Unglaubliche Schweiz.