Ein zweites Singapur ist Malaysia nie geworden. Aber mit seiner Obsession von "größer, besser, schöner" hat Regierungschef Mahatir bin Mohammed sein Land immerhin auf Platz zwei in Südostasien gerückt. Doch nun, mit seinen Patentrezepten am Ende, greift er ausgerechnet zu einer Uraltmedizin aus der Trickkiste von Autokraten. Das Gerichtsverfahren gegen seinen zu ehrgeizig gewordenen Erben Anwar Ibrahim, den er mit dem Vorwurf der Korruption, sexueller Ausschweifungen und der Homosexualität von der politischen Bühne zu fegen hoffte, entwickelt sich zu einer einzigen Farce: ein überforderter Richter, erpreßte oder hochbezahlte Geständnisse von Kronzeugen, ein Polizeichef, der auf Anordnung von oben "auch schon mal lügt".

Der angeblich vergewaltigte Chauffeur zieht seine Aussagen zurück, die angeblich verführten Damen der Gesellschaft können nur noch stottern. Und mit Exaußenminister Abdullah Badawi wird nun ein politisch äußerst korrekter neuer Erbe präsentiert. Doch hat er weder die Vision seines Ziehvaters noch das Charisma des neuen "Nationalsymbols" Anwar. Wie Suharto mag auch Mahatir nicht erkennen, wann es Zeit ist, abzutreten. Damit zerstört er alles, was er aufgebaut hat. Das ist schade um Mahatir und schade um Malaysia.