die zeit: Herr Geyer, Sie haben vor der Wahl gesagt, Rot-Grün bedeute für das Berufsbeamtentum eine unheilvolle Entwicklung. Jetzt haben sich Vertreter der neuen Regierung auf Ihrer Jahrestagung in Bad Kissingen deutlich zum Berufsbeamtentum bekannt. Sind Sie nun heilfroh?

Erhard Geyer: In der Tat habe ich in der Vorwahlphase, als sich Rot-Grün abzeichnete, auf mögliche negative Auswirkungen hingewiesen. Innenminister Otto Schily hat uns aber inzwischen davon überzeugt, daß unsere Befürchtungen in bezug auf ihn nicht zutreffen. Von ihm ist kein Angriff auf das Berufsbeamtentum zu erwarten.

zeit: Mit Schily können die Beamten gut leben?

Geyer: Wir können mit ihm gut leben. Seine Rede auf unserer Tagung ist ein guter Ansatz für die "dialogbezogene" Zusammenarbeit, die er selbst betont. Er hat auch unsere Beteiligung am Bündnis für Arbeit befürwortet. Das ist ein erfreulicher Auftakt für die kommenden Tarifgespräche.

zeit: Dafür liegen aber happige Forderungen auf dem Tisch. Sie wollen 5 Prozent, die ÖTV 5,5. Wo soll das Geld herkommen?

Geyer: Unsere Forderung ist moderat. Sie orientiert sich an der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung. Daß Schily sagt, die Kassen seien leer, gehört zum Ritual; darin unterscheidet er sich in nichts von seinen Vorgängern. Wie auch immer: Ein ordentliches Ergebnis muß herauskommen.

zeit: In Bad Kissingen wurde auch eine Anpassung der Ostbesoldung von 85,5 auf 100 Prozent West gefordert. Wissen Sie, was das kostet?