Der Wettbewerb ist an allem schuld. Er schafft eine ungerechte Vermögensverteilung, zerstört die Solidarität in der Gesellschaft, fördert die Kriminalität. Der Konkurrenzgedanke beherrscht nahezu sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, "der Wettbewerb wird zu einer Lebensart" - meist mit fatalem Ergebnis für die Betroffenen.

Das Buch des französischen Journalisten und Wissenschaftlers Philippe Thureau-Dangin ist eine entschiedene Polemik gegen den Wettbewerb, einseitig und aggressiv - sogar bis zur letzten Konsequenz. "Im Konkurrenzkampf", schreibt der Autor, der Philosophie und Ökonomie studiert hat, "macht das Leben sich selbst vergessen - und das ist eine Einladung an den Tod."

Entschieden zieht Thureau-Dangin gegen alles zu Felde, was heute die herrschende Wirtschaftslehre ausmacht. Dabei schießt er manches Mal über das Ziel hinaus - etwa wenn er Monopole preist und den Wettbewerb für steigende Preise verantwortlich macht. Dabei läßt er völlig außer acht, daß gerade die Konkurrenz unter verschiedenen Anbietern den Verbraucher davor schützt, daß Unternehmen überzogene Preise durchsetzen können. Erst die Ausschaltung des Wettbewerbs läßt Unternehmen übermächtig werden - zum Schaden der Konsumenten. Mit seiner zugespitzten und häufig auch überspitzten Kritik am Wettbewerb, die sich allein auf negative Folgen konzentriert, wird Thureau-Dangin keinen überzeugten Marktwirtschaftler in seinem Urteil erschüttern.

Doch warum ist das Buch lesenswert? Anders als in der Bundesrepublik, wo sich die Interessenvertreter nur um Lohnniveau, Steuerbelastung und Sozialabgaben streiten, gibt es in Frankreich auch nach dem Zusammenbruch des im Osten praktizierten sozialistischen Wirtschaftssystems eine lebendige Debatte über den Kapitalismus und seine Folgen für die Gesellschaft. Diese Debatte, zu der Thureau-Dangin mit seinem Buch einen Beitrag geliefert hat, schärft den Blick für negative Begleiterscheinungen.

Zu Recht fordert der Autor, der sich dabei durchaus auf Adam Smith als dem Urvater der Marktwirtschaftslehre berufen kann, Moral in der Wirtschaft ein. Und hat der Franzose nicht auch recht, wenn er darauf hinweist, daß Zusammenarbeit und ein maßvoller Altruismus immer erfolgreicher zu sein scheinen als die kurzsichtige, unbedingte Verfolgung ausschließlich eigener Interessen?

Thureau-Dangin ist nicht der erste, der sich über den Vorrang der Ökonomie in der Gesellschaft beklagt. Nicht alles, was den Unternehmen dient, nutzt auch der Allgemeinheit. Das ist zwar noch kein hinreichendes Argument gegen eine sozial und ökologisch gesteuerte Marktwirtschaft. Aber ein solcher Denkanstoß wie das Buch von Thureau-Dangin bereichert auch die Debatte in der Bundesrepublik.

Philippe Thureau-Dangin: Die Ellenbogen-Gesellschaft Vom zerstörerischen Wesen der Konkurrenz; übersetzt von Michael Jeismann; S. Fischer, Frankfurt 1998; 256 S., 34,- DM