Phantastisch, klasse, ausgezeichnet! Herzlichen Glückwunsch! Wie viele andere Zeitungen und Zeitschriften verbannen die Literaturkritik aus ihrem Blatt oder pflegen sie nur noch kastriert zur "Buchempfehlung" - und dann dieser Paukenschlag der ZEIT. Toll! Danke.

Dietrich zu Klampen, Lüneburg

Es ist mehr als erfreulich, daß die ZEIT und Ulrich Greiner gegen den Trend zur Literatur-Marginalisierung ein neues Literaturressort setzen. Das Buch ist immer noch der Ort, an dem Erlebnissen Erfahrung abgewonnen wird, an dem Einsicht und Beschreibungen, Erzählung und Reflexion sich im jeweils erforderlichen Tempo am weitesten und majestätischsten entfalten. Jeder, der lesen kann, liest; und dies nicht trotz, sondern vor allem angesichts der leeren Hetze im Internet, angesichts der floskelnden Hektik der elektronischen Medien, angesichts der banalen Alpträume in und aus Hollywood.

In der öffentlichen Wahrnehmung allerdings sind die Schriftsteller - zumal die jungen, bundesdeutschen - zur Randexistenz verurteilt; Grass wie Walser ist das Mandat entzogen (ausgebuht und mißverstanden), als Handwerker der Erfahrung nimmt sie ohnehin keiner mehr ernst. Dazu der halbjährliche Verlagsdarwinismus auf den Buchmessen, Zigtausende Neuerscheinungen: Der Roman, die Königin der Gattungen, ist heruntergekommen zur Saisonware, und selbst literarische Querelen wie die unendliche Vereinigungsgeschichte des PEN, zum Beispiel, taugen höchstens noch zur Sottise, keinen Atemzug weiter.

Wenn es dem neuen Ressort der ZEIT gelingen sollte, hier Dschungelführer und Verständigungsmedium in einem zu sein, lebendiges Forum des literarischen Lebens, Gastgeber wie Heimat ernsthafter wie ernstzunehmender Kritik: Glückwunsch, die ZEIT und Herr Greiner, viel Erfolg!

Stefan Finke, Berlin