Ein Lebensweg voller Biegungen: Seine Karriere beginnt er mit einem Heizhaus für die Flakkaserne in Friedrichshafen, da ist er 26 und hat in Stuttgart gerade ein Architekturbüro eröffnet. Nur wenig später wird Rolf Gutbrod Vorstand des Luftwaffenbauamts München, 1941 sogar Feldbauamtsvorstand in Afrika. Nach dem Kriege die Gegenwelt: Gutbrod wächst rasch heran zum Baumeister einer selbstbewußten Nachkriegsmoderne, zu einer Leitfigur des demokratischen Bauens. Die Gesten der Unterordnung tauscht er ein gegen eine geschmeidige Experimentierlust. Zusammen mit Adolf Abel entwirft er in Stuttgart eine Liederhalle, die mit den Gesetzen der Symmetrie bricht und das Publikum einnimmt mit organisch beschwingten Räumen. Gutbrod dirigiert nicht und leitet dennoch, behauptet keine Singularität und bleibt trotzdem im Gedächtnis - so wie mit dem international gerühmten Zeltbau für die Expo 1967, den er gemeinsam mit Frei Otto errichtet. Dann Versteinerung: Viel Lebendigkeit büßt er in den Siebzigern ein, als erstarrten ihm seine Ideale von einer gleichgeordneten Welt, als verfiele er einem industriellen Machbarkeitsglauben. Gescholten wird er für sein Berliner Kulturforum, auf dem er ein gesichtsloses Gewürfel namens Kunstgewerbemuseum hinterläßt. Er war, so scheint es, ganz Architekt der alten Bundesrepublik - zugleich gezeichnet vom Aufbruch ins Heiter-Ideale und von dröhnender Gediegenheit. Am 5. Januar starb Rolf Gutbrod mit 88 Jahren.