Theo Sommer hat recht: Die Angriffe auf Bagdad waren politisch unklug und haben Saddam Hussein eher genützt als geschadet. Es verwundert deshalb, daß in Deutschland so wenig Unmut über die ziellosen Angriffe geäußert wurde. Auch Herr Sommer spart mit Kritik an der deutschen Regierung und will in der klaren Unterstützung der anglo-amerikanischen Position nur eine mißmutige Pflichtübung sehen. Das ist zu freundlich. Die Regierung hat sich voll hinter die anglo-amerikanischen Angriffe gestellt - ohne Notwendigkeit. Frankreich, Italien - von Rußland ganz zu schweigen - zeigten mit ihrem Nein, daß es keinen politischen Zwang zum prinzipienlosen Gehorsam gab. In Wahrheit war die Unterstützung dieses Viertagekrieges der erste große außenpolitische Fehler der neuen Regierung. Sie ist mitverantwortlich für jeglichen Schaden, den der Friedensprozeß im Mittleren Osten durch diese zynische Wüterei Clintons erleidet. Wer die Regierung für diesen Fehler nicht abstraft, der lädt sie ein, auch in Zukunft blind Amerika zu folgen - ohne Rücksicht auf Verluste. Das sollte die ZEIT nicht (auch) tun. Ich habe als kleinen Protest meine zehnjährige Mitgliedschaft in der SPD gekündigt.

Daniel Mittler, London