War der Besuch des italienischen Premierministers beim römischen Bischof am 8. Januar 1999 ein historisches Ereignis? Italien müht sich, das Treffen des Exkommunisten Massimo D'Alema mit Papst Johannes Paul II. als Routine zu betrachten.

In der Vergangenheit hatten es die Päpste auf dem römischen Regierungssitz ja schon mit Juden und Freimaurern, mit Antiklerikalen oder Agnostikern zu tun gehabt. Nun kam zum ersten Mal ein Politiker "aus dem Apparat der kommunistischen Partei": So unfreundlich war der neue Premier vor wenigen Wochen vom vatikanischen Zentralorgan Osservatore Romano begrüßt worden. Im neuen Haushalt macht der erklärte Atheist D'Alema Hunderte von zusätzlichen Milliarden Lire für katholische Kindergärten frei; die Streitfrage der Zuschüsse an Privatschulen bleibt allerdings weiter ungelöst.

Tut hier ein reuiger Apparatschik Buße? Gibt sich Peppone endlich von Don Camillo geschlagen? Ach was: Beide Seiten sind aufeinander angewiesen. D'Alemas linke Mitte kann jeden Segen brauchen. Die Regierung hat bisher kaum handfeste Erfolge vorzuweisen, dafür ständigen Ärger in der Koalition mit ihren berufschristlichen Splittergruppen der Mitte.

Und der Heilige Vater? Wojtyla will im Jahre 2000 zum Jubiläum der Christenheit etliche Millionen zusätzlicher Pilger in die darauf bislang kaum eingerichtete Ewige Stadt locken. Die Kirche braucht jede nur denkbare Kooperation des Staates. Und (Ex-)Kommunisten sind allemal die besseren Funktionäre.