Mögen andere Kriege führen oder ihren Präsidenten anklagen - die schwedische Regierung kümmert sich um die Sexualmoral. Seit Neujahr arbeitet das Land am neuen Mann. Nicht etwa mit Bastelbögen für Feministinnen oder mit frommen Worten von der Kanzel. Per Gesetz soll der Mann als solcher ethisch verbessert, soll sein liederliches Treiben gezähmt werden. Vertreter alter Machart, die im Dunkeln munkeln und dabei gefilmt werden, wenn sie in Stockholms Malmskillnadsgatan die sexuellen Dienste gewisser Damen gegen Geld in Anspruch nehmen, müssen von sofort an mit einer halbjährigen Gefängnisstrafe rechnen.

"Daß die Hälfte unserer Politiker weiblich ist, wird auch in der politischen Führung deutlich", sagt die Staatssekretärin für Emanzipation, Ingegerd Sahlström. Sie weiß, daß 48 ihrer männlichen Kollegen und 2000 schwedische Geschäftsleute bis vor kurzem die Kosten ihrer Besuche in Sexclubs von der Steuer abzusetzen pflegten. Aber sie vertraut fest darauf, daß die gesetzliche Nachhilfe die Mentalität der Männer verändern wird. Brav sollen sie sein. Bleibt nur ein Problem: Angenommen, das neue Modell funktioniert, was tun, wenn die Frauen die wilden alten Kerle wiederhaben wollen?