Mit seiner vorsichtig positiven Einstellung zur dieser auch "Spam-Mail" genannten Plage erntete der dmmv in der letzten Woche einen Sturm der Entrüstung. Denn ob die Werbung nun akzeptiert werden soll oder nicht, ist im Internet längst eine Glaubensfrage. Die Gegner sehen darin einen Angriff auf den letzten Rest eines freien Informationsnetzes. Außerdem: Im Unterschied zu einer Hauswurfsendung muß jeder Nutzer für den Unsinn zahlen, der ihm zugeschickt wird, dem Werbetreibenden entstehen dagegen beim Versand so gut wie keine Kosten.

Nach der ersten Aufregung um seine vermeintlich undeutliche Position ließ der dmmv seiner ersten Stellungnahme eine ausführliche "Anmerkung" folgen, die die Position noch verschlimmbesserte. In ihr wird der unverlangt eintrudelnde Werbemüll mit der Radio-, TV- & Print-Werbung verglichen, die der Konsument ja auch erdulden muss. Mehrfach wird die Werbe-E-Mail auch mit der in Deutschland erlaubten Telefaxwerbung verglichen - die freilich abgemahnt werden kann, weil sie die Ressourcen des Empfängers angreift. Allerdings oft ohne Erfolg - der dmmv weist darauf hin, daß Werbefaxe bei Verbot oft aus dem Ausland ohne Anschlußkennung geschickt werden. ähnlich wirkungslos wäre ein nationales Verbot von Werbe-Mail. Die Vorschläge des dmmv zur Spam-Eingrenzung sind allerdings wenig überzeugend. Er will eine Kennzeichnungspflicht einführen: Ein Kürzel wie ADV (Advertisement) oder WERB (Werbung) im Betreff einer E-Mail soll sofort darüber Auskunft geben, daß Werbung kommt. Fast jede Software kann heutzutage E-Mails nach solchen Kennungen filtern und löschen. Damit ist freilich nicht die Kostenfrage der Werbe-Mails gelöst, die nach wie vor ungefragt die Online-Zeit des Empfängers frisst - insbesondere wenn sie grafisch aufgemotzt ist und aus großen Dateien besteht. Aber das stört den dmmv ebensowenig wie die vergleichende Argumentation, daß Fax-Versender aus dem Ausland die Anschlußkennung weglassen. Warum sollten die Versender von E-Mails anders handeln?

Von ganz anderer Seite geht Siemens das Problem an. Die Firma hat gerade ihre Software WebWasher vorgestellt, die für die besonders werbegeschädigten Privatleute kostenlos und für gewerbliche Nutzer recht preiswert ist. WebWasher filtert die Werbung aus Internet-Webseiten heraus, mithin all die Grafik, die aus dem World Wide Web ein World Wide Wait macht. Siemens möchte mit dem Programm dazu beitragen, daß die Anwender "besser als bisher bestimmen, welche Inhalte sie bevorzugt nutzen wollen und wofür sie ihre öbertragungskosten verwenden". Sogar Siemens-Anzeigen fischt die Software aus dem Datenstrom heraus. Eine Version des WebWasher für das Säubern von Postfächern soll in Arbeit sein.