Sie wissen ja, daß immer die Zuschauer aus der ersten Reihe auf die Bühne müssen. Deshalb sitzen Sie hier nach Schichten sortiert", erklärt der Moderator dem Publikum, "vorne die Intelligenten, weiter hinten die weniger Intelligenten und ganz hinten, na ja, reden wir nicht drüber." Zur Beruhigung der hinteren Reihen: Die müssen nur klatschen, artig bei Stufe eins, wohlwollend bei Stufe zwei, "und bei Stufe drei können Sie Ihren Nachbarn entkleiden".

Ein Brüller - Raimund Klein hat sein Publikum gewonnen. Er ist 21 und will Fernsehmoderator werden; heute bewirbt er sich als warmupper bei einer Casting-Agentur. In karierter Hose und Lederjacke, das Mikrofonkabel sechsfach um die Hand gewickelt, steht er vor einer Wellblechwand und spielt Talk-Show. Seine Aufgabe: Er soll Stimmung machen für eine Sendung mit dem Talkmaster Jörg Pilawa. Sein Publikum besteht aus zwei Casting-Agenten und ein paar Mitbewerbern. Hinter der Kamera steht Christian Eckert und grinst. Eckert leitet den Studiengang Moderation und Präsentationstechnik an der Hanseatischen Akademie für Marketing und Medien, und Raimund ist seine Entdeckung.

18 Studenten sind für den Studiengang eingeschrieben. Eine ausgebildete Physiotherapeutin gehört dazu, ein Immobilienmakler und ein Discjockey. Ihnen allen hat eine Jury bei einem Bewerbungscasting eine "mediale Ausstrahlung" attestiert. Wer Moderator werden will, muß von innen glühen, sobald er Rotlicht sieht. Für Eckert ist Raimund Klein so einer: "Eine richtige Landpomeranze ist der eigentlich, aber wenn er vor der Kamera steht, hat er was."

800 Mark kostet das Studium pro Semester, wohl einer der Gründe, warum die Akademie erst wenige Bewerber hat. Daß die Ausbildung zum Moderator noch nicht einmal anerkannt ist, stört Eckert kaum, "solange die Produktionsfirmen uns akzeptieren". Bei den Sendern selbst ist der Studiengang allerdings kaum bekannt. Auch die Moderatorenschule logo in Frankfurt am Main, die seit zehn Jahren Seminare anbietet, kennen nur wenige in der Branche.

Wichtig ist nicht nur, wie man etwas sagt, sondern auch, was

Die öffentlich-rechtlichen Sender setzen vor allem auf die interne Weiterbildung an der Zentralen Fortbildung für Programmitarbeiter (ZFP), einer Gemeinschaftseinrichtung von ARD und ZDF. Dort kümmert man sich vor allem um journalistische Formate, kaum um Unterhaltung. Die Dozenten der ZFP machen aus Redakteuren Moderatoren und trainieren ganze Redaktionen für neue Sendungen. Erfahrene Moderatoren können sich an der ZFP einer Generalüberholung unterziehen. An den Kursen dürfen nur Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Anstalten teilnehmen, und die Wartelisten sind lang. Auch deshalb beauftragen selbst die Öffentlich-Rechtlichen heute häufig private Coaches. Manche Moderatoren, die Diskretion mehr schätzen, als ihre Talk-Shows vermuten lassen, engagieren die Trainer auch selbst und zahlen dafür ein Tageshonorar von 2500 Mark.

Stefan Wachtel versteht sich als Inhaltscoach. "Je weniger man weiß, desto mehr redet man", sagt der Wiesbadener Moderationstrainer, und deshalb geht es in seinen Seminaren nicht nur darum, wie man etwas sagt, sondern auch darum, was. Wachtel warnt vor Schauspielern, die Schulungen für 50 Mark die Stunde anbieten. "Die können allenfalls die Form verbessern, aber das Geschwätz bleibt." Trotzdem sei nicht jeder erfolgreiche Moderator auch ein guter Lehrer. Wer nach einem Coach suche, solle deshalb auf dessen didaktische Qualifikation achten. Skepsis sei gegenüber allen angebracht, die versprächen, aus jedem Plauderer einen Talk-Show-Moderator zu machen. "Unterhaltsam und schlagfertig zu sein und das auch noch vor der Kamera - das kann man nicht lernen, dazu braucht man Talent", sagt Wachtel.