Stolz stellen die meist männlichen Hüter der Wirtschaft ihre obersten Gebote gern zur Schau, bemühen die Dreifaltigkeit aus "Effizienz", "Rationalität" und "Qualität", um das Geheimnis ihres Erfolges zu benennen. Doch die Außenwelt - vorneweg die Frauen - ahnt längst, daß nach anderen Regeln gespielt wird, wenn Spitzenpositionen und damit Macht und Wohlstand vergeben werden. Im Widerspruch zu allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit ziehen Frauen in 99 Prozent der Fälle den kürzeren, obwohl sie schon allein zahlenmäßig in der Übermacht sind.

"In den Topetagen der Wirtschaft ist die Luft für Frauen noch immer sehr dünn", sagt Sonja Bischoff, Wirtschaftsprofessorin an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg. "In einer nahezu frauenfreien Zone bauen Männer wie eh und je ihre Geschäfte und Beziehungsgeflechte aus."

Ein Blick auf die Statistik zeigt, daß die stille Diskriminierung nicht der Phantasie paranoider Frauen entspringt (so die Abwehrreaktion betroffener Männer), sondern Realität ist: Während die kleinen und mittleren Unternehmen noch relativ gut dastehen - rund 8,1 Prozent der Stellen im Topmanagement und 16,2 Prozent auf der mittleren Ebene der Führungskräfte sind mit einer Frau besetzt -, geht es bei den Großunternehmen wieder kontinuierlich bergab: Von 1995 auf 1996 sank der Frauenanteil in der Topebene von 3,2 auf 1,2 Prozent.

Dabei spricht, rein ökonomisch betrachtet, vieles dafür, Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Managerinnen verbrauchten weniger Ressourcen als ihre männlichen Kollegen, will Sonja Bischoff herausgefunden haben. Mit kleinerem Mitarbeiterstamm und geringerem Budget bewältigten sie ihre Aufgaben sehr effizient. Und auch ihr Verlangen nach Statussymbolen fiele weitaus bescheidener aus. "Knallhart gerechnet, sind Frauen rentabler als Männer", glaubt die Wirtschaftswissenschaftlerin. "Trotz aller Fördermaßnahmen, die bei den Konzernen seit Mitte der achtziger Jahre laufen, dominieren dort nach wie vor männerbesetzte Hierarchien", sagt sie.

In Geschlechterfragen, da sind sich Sonja Bischoff und Claudia Schmitz vom European Women's Management Development Network einig, fällt das gern zitierte Kosten-Nutzen-Denken der Geschäftsmänner ihren Vorurteilen und Ängsten vor Machtverlust zum Opfer.

Doch oft lassen Frauen zwei Eigenschaften vermissen, die Erfolgsfaktoren auf dem Weg nach oben sind: Durchsetzungsvermögen und Aufstiegsorientierung. Ein weiterer Minuspunkt: Frauen verbauen sich einen karriereträchtigen Job, weil sie zu Beginn ihrer Berufslaufbahn aufs falsche Pferd setzen. Zwei Drittel der Studentinnen sind in den Sprach- und Geisteswissenschaften immatrikuliert, nur knapp 15 Prozent wollen Ingenieurin werden. Die Wirtschaft jedoch sucht vor allem Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure und Informatiker.

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