Ausgerechnet aus Frankreich, dem Land des Beaujolais und der Gauloises, kommt ein Vorstoß, die Drogenpolitik vom Kopf auf die Füße zu stellen: Eine interministerielle Arbeitsgruppe empfiehlt, beim Kampf gegen Rauschgifte Alkohol und Tabak ähnlich zu behandeln wie Heroin und Kokain. Statt wie bisher zwischen legalen und illegalen Drogen zu unterscheiden, plädiert die Arbeitsgruppe dafür, "die Gesamtheit des Suchtverhaltens, unabhängig vom gesetzlichen Status des süchtigmachenden Produktes" zu beurteilen.

Würde diese nüchterne Forderung ernst genommen, müßten Politiker radikal umdenken. Schließlich sind Suchtpotential und Giftigkeit von Alkohol ähnlich hoch wie bei Heroin und Kokain. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls ein wissenschaftlicher Bericht des französischen Gesundheitsministeriums, der die gebräuchlichen Drogen in drei Kategorien einteilt: Am gefährlichsten sind Alkohol, Heroin und Kokain, es folgen Tabak, Ecstasy, Aufputsch- und Beruhigungsmittel, und am wenigsten bedenklich seien Marihuana und Haschisch. Kettenrauchende Politiker stünden demnach auf einer Stufe mit Ecstasy schluckenden Ravern, und die Tradition des Gemeinschaftsbesäufnisses wäre nicht anders zu bewerten als verbotene Heroin-Trips. Diese Logik wird durch die Zahl der Drogentoten untermauert: So sterben in Frankreich pro Jahr 60000 Raucher am Nikotinismus, 20000 Tote sind durch Alkoholismus zu beklagen - doch einer Überdosis Heroin fallen weniger als 300 Junkies zum Opfer. Cannabis-Tote sind nicht bekannt.