In Italien war es schon immer so: rein und raus - ein schnelles Vergnügen. In Amerika ist er das seit einigen Jahren auch: ein Quickie für Genießer. Nur hierzulande blieb der Besuch im Stehkaffee lange eine tantige Angelegenheit, eingebettet in eine Aura aus gemusterten Herrenschlafanzügen zu 19,95 Mark. Das soll jetzt anders werden. Tschibo & Co gehen fremd. In Deutschland entstehen zur Zeit Espressobars nach amerikanischem Vorbild: mit Jazzmusik, Pastellfarben, Pappbechern für den take-away, Aromasirups, Bagels und Muffins.

Kaffeepause im Hamburger Balzac Coffee, Große Theaterstraße, Ecke Colonnaden. Draußen fordert ein Schild "Drink better coffee", drinnen empfangen den Besucher Klänge, die Vorboten besseren Kaffees sind: das Geräusch der Cimbali-Mühle, das Fauchen der italienischen Espressomaschine und die Hiebe des Filterhalters auf Holz. Dazu Easy-Listening-Jazz.

Mantel und Blazer behält man hier an. Dies ist kein Ort für stundenlanges Verweilen, hier wird nur kurz aufgetankt, um neu durchzustarten. Die meisten Gäste beherrschen die einschlägige italoamerikanische Kaffee-Terminologie perfekt: short latte für den kleinen Milchkaffee oder tall vanilla-latte für den Mittelgroßen mit Vanillearoma . Vanessa Kullmann, die 26jährige Inhaberin, registriert es mit Stolz.

Das Starbucks, wo sie sich in ihrer New Yorker Zeit jeden Morgen vor der Arbeit ihren Kaffee holte, war auch ein Eckcafé. 67. Straße, Ecke Columbus Avenue, erzählt die Betriebswirtin. Die Kaffeebar-Kette Starbucks, die heute in den USA rund 1600 Filialen betreibt, hat die Amerikaner vor zehn Jahren auf den Geschmack von Espresso und "Kafäi Latäi" gebracht und ein wahres Kaffeerevival ausgelöst, das bis nach England übergeschwappt ist. Die britischen Teeausschenker planen übrigens bereits den Gegenangriff: Sogenannte t-Bars sollen in Zukunft auch den Tee sexy machen.

Hierzulande hatten Papierfilter und Kaffeekränzchen für Jugendliche ungefähr so viel Anziehungskraft wie ein Verwandtenbesuch auf dem Lande. Das neue Outfit der Kaffeebars indes verfehlt seine Wirkung nicht. Vanessa Kullmann kommt gerade von einem Maklertermin zurück, nach dem feststeht: "Im Frühjahr eröffne ich ein zweites Balzac Coffee."

Zwei Kaffeebars machen aber noch keine Kette. 100 oder 170, das wär's. 100 stehen auf dem Busineßplan des Shop-Filialisten Beans Brothers Coffee Band, dessen Mehrheitsgesellschafter Tchibo ist, 170 auf dem des Espressobar-Unternehmens World Coffee - für Deutschland, versteht sich. Zur Zeit liegen die beiden Konkurrenten mit jeweils vier Bars in der Bundesrepublik Kopf an Kopf und kämpfen um dieselbe Klientel: jung, einkommensstark, genuß- und experimentierfreudig. Eine Klientel aus "Hedonisten" schwebt Jürgen Gossmann vor, Mitgesellschafter von Beans Brothers.

Kaffeepause in der Beans Brothers Coffee Bar, Wenzelgasse 6 in Bonn. "Hedonist, ist das so die französische Art? Ja? Dann bin ich das", sagt Thomas Scheidt. Damit gehört der 23jährige Betriebswirt vom Herrenausstatter auf der anderen Straßenseite im Unternehmensjargon zur Y-Generation. Es gibt auf der "psychologischen Karte" von Beans Brothers noch Z und X. Die Z-Generation, das sind die alternativ Angehauchten; die X-Leute (in Douglas Couplands Roman noch moderne Loser) sind in der Sprache des Unternehmens die Bürgerlichen, die Puritaner, die Konservativen. "Von X habe ich zum Glück ganz wenige hier in der Bar", sagt der gelernte Koch und Geschäftsführer der Bonner Filiale, Barry Filter. "Die kommen rein, schauen sich um, schütteln den Kopf und gehen wieder."